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Glücksfall

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Glücksfall

Es sind zahlreiche glückliche Umstände, die dazu führten, dass das »Haus Paepke« im nordhessischen Hofgeismar-Carlsdorf für die Zukunft erhalten bleibt – und das denkmalgeschützt und nach den Vorstellungen des Bewohners nutzbar. Der heißt Mark Meusel, ist ein junger Lehrer aus Hofgeismar und großer Fan des Stils der 50er Jahre. Das Haus ist sozusagen die »Hülle für meine Möbel«, sagt er in leichter Untertreibung. Denn gebaut wurde es vom Landschaftsarchitekten und Architekten Hermann Mattern (1902-71), ebenfalls aus Hofgeismar, bekannt geworden durch die Planung der Reichsgartenschau 1939 in Stuttgart und der Bundesgartenschau 1955 in Kassel. Entsprechend plante er Haus Paepke 1958 mit dem 2 800 m² großen Grundstück als Einheit. Das L-förmige Gebäude mit Schmetterlingsdach sitzt oben an einem Hang und öffnet sich zur Landschaft. Das Familienleben spielt sich in der Eingangsebene ab, im Gartengeschoss befinden sich Arbeitszimmer, Heizraum und diverse Keller. Um die Terrasse ließ Mattern Gräser, Stauden und Gehölze pflanzen – heute großenteils durch Bodendecker ersetzt –, die zu jeder Jahreszeit ein intensives Farbspiel zeigten, das sich im Innern des Hauses fortsetzt. Beides zu erhalten bzw. im Sinne Matterns wiederherzustellen, ist ein erklärtes Ziel von Mark Meusel. Dieses Bewusstsein für den baukulturellen Wert des Hauses war es auch, das die Tochter der Bauherren bewog, ihm den Zuschlag zu geben.

Dritter Akteur: die Denkmalbehörde. Diese hatte das Haus bereits vor dem Verkauf 2008 begutachtet, doch erst durch die neuerliche Initiative Meusels wurde es tatsächlich unter Schutz gestellt. Zum Wiederaufbau vermittelte sie dem Bauherrn die Landschaftsarchitektin Maren Brechmacher-Ihnen, Kassel, die Hermann Mattern noch selbst erlebt hat und den Garten nach den umfangreich erhaltenen Pflanzlisten und -plänen wiederherstellen wird. Für die bauliche Aufnahme und Sanierung von Haus und Garage ist der Architekt Marco Herdina, Grebenstein, zuständig. Der Reparaturstau ist hoch: So muss das UG trockengelegt werden, die in den 80er Jahren ausgetauschten Fenster müssen zweifachverglasten Elementen in den alten Proportionen weichen, das Dach bekommt eine Dämmung, die wegen des Maßstabs an der Attika nur 6 cm dick ist und die Ölheizung soll durch eine Pelletanlage ersetzt werden. Finanzielle Unterstützung kommt dabei in erster Linie durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das hessische Landesamt für Denkmalpflege.
Das Trommeln hat sich gelohnt: Zum Tag des offenen Denkmals 2010 kamen Nachbarn, Kasselaner und sogar ein Schüler Meusels. Auch dieses Jahr steht Haus Paepke wieder offen: und zwar am 11. September. ~dr
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