Geometrie und Landschaft

~Christian Holl

Interfere heißt der Pavillon, der seit Kurzem in einem Park in New Yorks ländlicher Umgebung steht – eine Skulptur, eine begehbare Holzkonstruktion, ein komplexes Holzbauwerk. Interfere basiert auf einer Arbeit Oliver Kruses. Im Rahmen eines Hochschulprojekts hat eine Gruppe von 15 Masterstudenten der Peter Behrens School of Architecture in Düsseldorf unter seiner Leitung den Pavillon verwirklicht. Nach einem Probelauf in Düsseldorf wurde er in einem Skulpturen- und Architekturpark des Omi International Arts Center aufgebaut. Er steht dort an einer Kuppe mit Blick in die Landschaft. Den Aufwand, den man treiben musste, um ihn zu bauen, sieht man ihm nicht an. Für die 11 mit höchst präzise gesetzten Schnitten versehenen und ineinander gesteckten Platten auf einer Bodenplatte brauchte es viele Hände, einen Kran und eine sorgfältige Aufbauplanung, um die nur scheinbar chaotische Konstruktion zu errichten. Je genauer man sich versucht vorzustellen, wie er gebaut wurde, desto schwerer fällt es zu erkennen, wie der Pavillon tatsächlich erstellt wurde, der übliche Prozess des Bauens, des Nacheinander- und Aufeinanderfolgens, des Zueinanderfügens ist nicht ablesbar: Alles scheint gleichzeitig passiert zu sein. Es gibt keinen Anfang, kein Ende. Dem entspricht die geometrische Figur, die dem Entwurf zugrunde liegt: Es ist die regelmäßige Form eines Dodekaeders, eines platonischen Körpers. Im Innern erkennt man dies leichter als von außen – innere und äußere Wahrnehmung überlagern und verändern sich. Ein nur scheinbar beiläufiges Spiel mit dem Betrachter, das den Vorgang des Bauens und das autonome Objekt, die Geometrie und die Landschaft in ein spannungsreiches Wechselspiel setzt.