gelungene Transformation

Ein Teehaus eines japanischen Architekten? Wer denkt da nicht spontan an Ruhe, Besinnung, innere Einkehr, an Holz, Bambus, Tatamimatten, rechte Winkel – schwer vereinbar mit der Vorstellung eines Teepavillons aus einer knautschig weißen Kunststoffmembran als organische luftgetragene Pneukonstruktion, wie sie Besucher nun im Garten des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt (früheres Museum für Kunsthandwerk) vorfinden. Kengo Kuma, vom Museum direkt beauftragt, ein Teehaus als »Ergänzung« zur ostasiatischen Sammlung zu entwerfen, hat dabei auf wohltuend unkonventionelle und erfrischende Weise das traditionelle, japanische Teehaus in unsere Zeit »übersetzt«. Er wählte einen kleinen Hügel im Museumspark, der geradezu prädestiniert war für die Bebauung. So kommt der kleine, genoppte Pneu seinem Nachbarn, dem weißen Kachelbau Richard Meiers, zumindest in der Höhe etwas »entgegen«. Gemeinsam mit einem japanischen Teemeister und dessen sechs Gehilfen fand im August die offizielle Einweihung statt. Zukünftig sollen in dem Pavillon gelegentlich Teezeremonien stattfinden, auch eine Anmietung der »Räumlichkeit« ist laut Museum möglich. Ansonsten wird der 150 Kilo leichte Pneu – übrigens Kumas erstes deutsches Bauprojekt – nur bei Bedarf aufgeblasen. Rund 15 Minuten dauert das Aufpumpen bis zu einem Innendruck von 1500 Pa. Bei schlechter Witterung könnte das Teehaus prinzipiell auch im Inneren des Museums aufgestellt werden, wenngleich die Konstruktion wie ein »normales« Gebäude auch für schlechtes Wetter und starken Wind berechnet wurde. Maßgeblich geplant hat die Hülle form TL, ein auf Membran- und Leichtbau spezialisiertes, deutsches Ingenieurbüro.

Schreitet man erst einmal die steinernen Stufen zum Teehaus empor und tritt unbeschuht, wie es das Ritual verlangt, und gebeugt durch den kleinen Einlass – eine Reißverschlussöffnung, die eher an den letzten Campingurlaub erinnert –, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Das Licht fällt angenehm weich durch die halbtransparente Hülle ins Innere und auf die neun Tatamimatten. Der Tee wird hinter einer kleinen weißen Trennwand zubereitet, ein elektrischer Herd für den Wasserkessel ist vorhanden. Ansonsten bleibt der Raum bis auf die typische »Takanoma«-Nische, hier mit einem Blumengesteck, völlig leer. Man fühlt sich sofort wohl im Inneren, geborgen, genießt die Atmosphäre, möchte verharren, ausspannen. Am Abend wird der Luftraum zwischen Außen- und Innenhülle (Abstand 40 bis 100 cm) über LEDs beleuchtet. Diese sitzen in einem auf der Betonbodenplatte angebrachten Metallkastenprofil, an dem die Membran, ein PTFE-Gewebe mit auflaminierter Flurfolie, über 40 m Schwerlast-Reißverschlüsse befestigt ist. ~cf