Es geht voran

~Simone Hübener

Dass (bau-) kulturelle Bildung ein fester Teil des Stundenplans an deutschen Schulen werden muss, darüber waren sich beim fünften Kongress »Kinder zum Olymp« alle einig. Und wenn man den Referenten während der zweitägigen Veranstaltung lauschte, war herauszuhören, dass es mancherorts bereits so ist. So befasste sich in Berlin eine Gruppe von 31 Schülern der Klassen 7 bis 9, unterstützt von einigen Erwachsenen, mit der Rekonstruktion des Stadtschlosses. In Interviews, u. a. mit Franco Stella und Regula Lüscher, einer Exkursion nach Dresden zur Frauenkirche und verschiedenen Workshops sind sie Sinn und Unsinn des Projekts auf den Grund gegangen. Je tiefer die Schüler in die Thematik einstiegen, desto mehr sprachen sie sich gegen den Bau aus. Da die Förderung durch das Programm »Kultur.Forscher!« Anfang Juli ausgelaufen ist, ist mit dieser Art Forschung nun Schluss. Doch die Baukultur hat innerhalb des Wahlpflichtfachs Gesellschaftswissenschaften fortan ihren festen Platz – dem Engagement einiger Lehrer sei Dank.
Auch in Naumburg nimmt die baukulturelle Bildung bald einen deutlich sichtbaren Raum ein. In der Ruine eines barocken Stadtpalais entsteht bis zum nächsten Sommer das Naumburger Architektur- und Umwelthaus. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Verbundenheit von Bürgern und gerade auch jungen Menschen mit ihren (ostdeutschen) Heimatstädten stärker ist, wenn sie dank eines baukulturellen Basiswissens die Zusammenhänge verstehen und auch selbst Verantwortung übernehmen können.
Ebenfalls noch nicht ganz fertig, aber schon jetzt sehr beeindruckend war die Kinderoper »Oskar und die Groschenbande«, die in großen Teilen aufgeführt wurde und deren Bühnenbild die Kinder selbst bauten. In »Die Stadt« besingt der kleine Junge Oskar seine Heimatstadt Dessau, den diesjährigen Veranstaltungsort, und das dort angesiedelte Bauhaus-Gebäude:
»[…] Auf freiem Feld steht da ein Haus
Aus Glas, Beton und Stahl.
Bei Nacht geht dort ein Leuchten aus
Wie von ’nem Bergkristall.
[…]
Das Bauhaus ist ein Bürgerschreck,
Aus Dreieck, Kreis, Quadrat,
Ein rotgelbblauer Schönheitsfleck,
Ein Zukunftsautomat.«
Möglichkeiten, Baukultur im (Schul-) Alltag zu verankern, gibt es also viele; weit mehr noch als die vorgestellten. Doch auch hier bedarf es – wie so häufig – noch mehr mutiger Menschen, es braucht Lehrer und Rektoren, die die Freiräume der Lehrpläne nützen, und auch die Politiker sind gefragt, die (Bau-) Kultur und nicht nur die Kernfächer wie Mathematik, Deutsch und Geschichte zu fördern.