EMINENT ARCHITECTS

Seen by Ingrid von Kruse. Texte von Martha Thorne und Ingrid von Kruse 272 Seiten. 140 s/w-Fotografien sowie ca. 80 Pläne und Zeichnungen, Hardcover, 68 Euro, Deut./Engl.. Jovis Verlag, Berlin 2011

~Franziska Puhan-Schulz

Der Bildband mit Porträts von Ingrid von Kruse spürt den Menschen nach, die hinter den Entwürfen der Bauwerke stehen. Das Spektrum reicht von der alten Garde wie Pei, Scott Brown und Zumthor bis zu berühmten Vertretern der jüngeren Generation wie Sejima und Ingels. Ihre Auswahl zeigt nicht nur Gewinner des Pritzker-Preises, sondern Architektinnen und Architekten, die die Art und Weise, wie wir über Gebäude denken und sprechen, beeinflusst haben. Die Hamburger Fotografin wurde mit ihren Ansichten von Rom, Sizilien und Venedig bekannt. Ihre Wahrnehmung der Ruinenlandschaften zeugt von großer Tiefe und Schichtung – bis heute signifikante Merkmale in ihrem Werk, in dessen Mittelpunkt seit 1984 die Porträt-Fotografie steht.
Besonders einprägsam ist, dass sie in dem Buch ihre persönlichen Geschichten zu den Bildern erzählt: über die Auswahl der Architekten, darüber wer die Empfehlung ausgesprochen hat, wie die Treffen verlaufen sind, welche Bauwerke zur Sprache kamen und was sich letztlich bei ihr davon eingeprägt hat.
Warum ist das Buch ein lesenswertes Buch? Weil jede abgebildete Architektenpersönlichkeit handschriftlich einen Leitgedanken zur Arbeit formuliert hat. Es ist besonders, weil die Beschäftigung mit den Porträts, mit den Zeichnungen und geäußerten Gedanken nachdenklich macht und dazu anregt, über gelebte Träume, gute Architektur und das Wechselspiel mit dem Menschen nachzudenken. Renzo Piano schreibt z. B.: »Als Kind habe ich mir zusammen mit meinem Vater, einem Bauunternehmer in Genua, immer gerne Baustellen angesehen und beobachtet, wie aus dem Nichts etwas entstand – von Menschenhand geschaffen. Für ein Kind hat eine Baustelle etwas Magisches (…). Ich bin ein glücklicher Mensch: Ich habe mein Leben lang das getan, wovon ich als Kind geträumt habe.« Wir blicken Ingrid von Kruse über die Schulter auf Menschen, die noch eine Menge vorhaben. Ohne ihre Umsicht und ihre Gedanken über Form, Raum und menschliche Bedürfnisse wäre die gebaute Form unserer Zeit anders und sicherlich nicht besser ausgefallen.