Ein Platz an der frischen Luft

~Andrea Nussbaum

Auch der eingefleischte Städter wünscht sich zum perfekten Glück das eigene Grün. Und um allen Bewohnern des neuen Wohnbaus in der Wiener Universumstraße diesen Wunsch zu erfüllen, haben die Architekten von querkraft die Bauordnung geschickt ausgetrickst. Ein Passivhaus mit niedrigsten Energiewerten sollte es sein, aber eines mit höchstem Komfort. Der »dicken Daunenjacke«, wie Jakob Dunkl von querkraft die hermetische, dicke Gebäudehülle nennt, wurden umlaufende Balkonzonen in Zick-Zack-Form vorgesetzt. Die Knicke sind notwendig, um dem Bau möglichst viel Freifläche abzuringen, da über die Baulinie eigentlich nichts hinausragen darf. Die auskragenden spitzen Dreiecke haben die Architekten als »Zierglied« definiert, ein gründerzeitliches Dekorelement, das erlaubterweise in den öffentlichen Raum ragen darf und nicht zur Nutzfläche zählt (aber in Form der Balkonspitzen durchaus betreten werden darf). Der Luxus für die Bewohner: Sämtliche Zimmer haben direkten Zutritt ins Freie, mit zwei bis vier unterschiedlich breiten Öffnungen pro Wohnung. Der Garten im Hof und die großzügige Dachterrasse ergänzen das Freiraumangebot. So sehr die Architekten die Bauordnung kreativ interpretierten, bei den Grundrissen stießen sie an die Grenzen, die sich aus den strengen Richtlinien des geförderten Wiener Wohnbaus ergeben, Standardgrundrisse statt offenen und mit zwingend vorgeschriebenen Vorräumen. Dieses Manko soll der Platz an der frischen Luft ausgleichen. Ein handfestes Begrünungskonzept lieferten die Architekten gleich mit. Gemeinsam mit der Landschaftsarchitektin Doris Haidvogl wurde ein »System« entwickelt, das eine ebenso rasche wie unkomplizierte Bepflanzung möglich macht. So wurden u. a. Löcher in die Geländerstäbe der Balkone gebohrt, in die Halterungen zur Befestigung von Blumentöpfen und Pflanzkästen eingehängt werden können. Auch ein entsprechendes Sortiment an Schellen und Bügeln wurde an die neuen Mieter kurz nach Einzug ausgegeben ebenso wie eine Tüte voller Pflanzen samt genauer Gebrauchsanweisung, sodass die Fassade schnell grün wird. Kunst am Bau lieferte Manfred Wakolbinger mit einer Lichtinstallation im zentralen Treppenhaus, das von jeder Etage Durchblicke erlaubt und farblich in den Deckenfarben variiert. Der angrenzende Baugrund steht leer und die Architekten denken über eine Fortsetzung nach …