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Denkmalpflege und Tourismus

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~Gudrun Escher

»Ohne vernünftige Präsentation verkommt alles nach wenigen Jahren.« Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein, Hausherr auf Schloss Sayn, Vizepräsident von Europa Nostra und langjähriger Präsident der Deutschen Burgenvereinigung, weiß wovon er spricht. Denkmäler brauchen die Öffnung und die Öffentlichkeit. Dass jährlich 100 Mio. Gäste die ca. 3 500 kommerziell betriebenen Burgen und Schlösser in Deutschland besuchen und dabei 1 Mrd. Euro Einkünfte generieren, sei weitgehend unbekannt, die politische Wahrnehmung von Baudenkmalen deutlich zu gering.
Am Mittelrhein haben Denkmalpflege und Tourismus eine lang geübte Tradition. So blieb die Marxburg erhalten, weil sie 1903 durch die Deutsche Burgenvereinigung vom preußischen Fiskus mit der Verpflichtung gekauft wurde, sie »dem deutschen Volk« zu öffnen. Dieser Vertrag läuft noch bis 2027. In Koblenz blieb die Festung Ehrenbreitstein nach dem Versailler Vertrag vor der Schleifung bewahrt, weil der rheinische Provinzialkonservator Paul Clemen glaubhaft machen konnte, dass die militärische Anlage bereits zu preußischer Zeit für Besucher geöffnet war. Anders als früher ist jetzt fast der gesamte Festungsbereich in einem inszenierten Rundgang erschlossen.
Erschließung und Inszenierung führen immer wieder zu Konflikten zwischen Denkmalschutz und Denkmalnutzen. So gilt die Seilbahn der BUGA 2011 über den Rhein hoch nach Ehrenbreitstein als unverzichtbar, aber die Talstation (als temporär konzipiert von Werner Sobek) verstellt die Rheinfront vor St. Kastor [4]. So »robust« die denkmalgeschützte Festung trotz überraschend subtiler Details, so fragil die nahe gelegene Gießhalle der Sayner Hütte von 1830, erster Industriebau des Kontinents allein aus vorgefertigten Eisengussteilen. Karl Ganser, Kurator der laufenden Instandsetzung, plädiert gegen den Trend für einen »Raum der Stille« mit nur temporären Nutzungen, um das Denkmal nicht zu überfordern und zu überformen. Der Antrag zur Aufnahme in die Welterbeliste läuft.
In Rheinland-Pfalz ist seit 2008 die Denkmalpflege der »Generaldirektion Kulturelles Erbe« als übergeordnete Schnittstelle unterstellt, um Maßnahmen besser zu koordinieren. Eine ihrer zentralen Aufgaben ist die kulturelle und touristische Erschließung von Baudenkmalen. Auf diesen Leistungen baut die »Tourismus-Strategie 2015« des Landes ausdrücklich auf. Dennoch misst das Papier dem Denkmalschutz nicht den gleichen Rang zu wie dem Naturschutz. Ob ein solches Konzept auch für Städte und Dörfer abseits der touristischen Trampelpfade trägt, bleibt fraglich.
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