Demokratie bauen

~Nikolaus Bernau

Sie war der Star der West-Berliner Interbau von 1957: die von den USA geschenkte, von Hugh A. Stubbins entworfene Kongresshalle. Straff steigen zwei hoch geschwungene Balken auf, zwischen denen das eigentliche Dach hängt. Auf den ersten Blick eine statisch eindeutige Konstruktion – tatsächlich erzwangen die Berliner Baubehörden jedoch eine Mischkonstruktion, die auch zum Einsturz des Gebäudes 1980 beitrug. Der Wiederaufbau war 1989 abgeschlossen, das Haus der Kulturen der Welt zog ein. Doch viele Holz- und Natursteinwände wurden verdeckt durch Ausstellungsarchitekturen, primitive Tresen im Foyer aufgestellt, in der einstigen Lounge entstanden Büroräume. Auch die technischen Anlagen verfielen immer mehr. 2005 stellte die Bundesregierung endlich 8,8 Mio Euro bereit, die wenigstens die Teilinstandsetzung durch das Berliner Architekturbüro GAP ermöglichte.
Ab 2006 wurde das Gebäude mit moderner Technik versehen, die oft mit Rücksicht auf die denkmalgeschützte Substanz in nur dünne Mauern eingefädelt werden musste. Im Foyer etwa ist die neue Lüftung stilistisch passend in eine Holzwand eingefügt, die technischen Einbauten wurden in der Decke versteckt. So können nun bei Veranstaltungen ganze Gerüste abgehängt werden, ohne die Raumform dauerhaft zu verbauen. Aus dem Kern des Gebäudes ist wieder der Tiergarten zu sehen, ein abstrakter White Cube für Kunstaktionen entstand jetzt in jenen Räumlichkeiten, die bereits in den Neunzigern für den Besucherdienst umgebaut worden waren.
Sonst aber wurden die Ästhetik und Beleuchtungsrhythmik der fünfziger Jahre erfreulich sorgsam bewahrt und erfrischt. So öffneten die Architekten wieder die kleine Empore in die Ausstellungshalle oder verankerten außen die fast 400 Meter lange Verkleidung der Brüstung aus Kirchheimer Muschelkalk mit geklebten Gewindestangen neu, so dass nur wenige Platten ersetzt werden mussten. Selbst die Innenraumfarben wirken wieder frisch wie 1957. Insgesamt eine Modellsanierung eines immer populären Baues, den selbst der kundige Wolf Jobst Siedler noch 1980 geschmäcklerisch als »Nierentisch«-Architektur betitelte.