Bauen mit Holz. Architekturmuseum der TU München

Bauen mit Holz (München)

~Klaus F. Linscheid

Diese Ausstellung spricht auch die Sinne an. Es riecht nach Holz, es hört sich an wie Holz und alle ausgestellten Modelle sind – natürlich – aus Holz. Anlässlich des »Internationalen Jahres der Wälder«, das 2011 begangen wird, möchte das Architekturmuseum der TU München gemeinsam mit dem Fachgebiet Holzbau der TU eine Botschaft unters Volk bringen: Holz ist »saugut«.
Gleich am Eingang begrüßt den Besucher die mächtige Wurzel einer einheimischen Fichte. Ein 30 m langer Baumstamm erstreckt sich symbolisch als Skulptur mitten durch den ersten Ausstellungsraum und verweist (nomen est omen) auf die Wurzeln des Materials, den Wald. »In deutschen Wäldern wächst mehr Holz als herausgenommen wird«, betont Hermann Kaufmann, Professor am Institut für Entwerfen und Bautechnik, Fachgebiet Holzbau an der TU München und maßgeblicher Mitgestalter der Ausstellung. Ein paar Zahlen, die die Bedeutung von Holz für das Bauwesen unterstreichen: Von den 80 Mio. m³ Holz, die jährlich in Deutschland heranwachsen, werden nur 70 Mio. m³ geerntet. Ein Drittel dieser Menge würde theoretisch ausreichen, um den gesamte Neubaubedarf in Deutschland in Holzbauweise zu erstellen. Deutschland liegt mit knapp 3 400 Mio. m³ Holzvorrat europaweit an der Spitze – noch vor Schweden.
Allein diese Vergleiche zeigen, dass Holz zu Recht allmählich beginnt, sich im Bauwesen zu emanzipieren. Seit etwa 30 Jahren steigt die Nachfrage nach alternativen und nachhaltigen Baustoffen weltweit. Holz ist auf dem besten Weg, zum Universalmaterial für ökologisch und energetisch sinnvolle Bauprodukte zu werden. Es mache Sinn, betont Hermann Kaufmann, Holz stofflich zu verwerten, bevor wir es als Material verbrennen. Die Begründung liegt unter anderem in der Klimaentlastung. An fünf Projekten, deren Primärkonstruktion aus Holz besteht und bei denen auch in vielen anderen Bauteilen nachwachsende Rohstoffe eingesetzt wurden, zeigt die Ausstellung eine vergleichende Ökobilanz mit konventionell errichteten Gebäuden. Erhebliche Entlastungspotenziale der Umwelt bei den Holzbauten werden dabei ebenso deutlich wie die Tatsache, dass ein Großteil der heute üblichen Bauaufgaben mit nachwachsenden Rohstoffen ökologisch nachhaltiger bewerkstelligt werden könnte.
Ein zweiter Aspekt, der den Holzbau zukünftig noch interessanter machen dürfte, sind neue Technologien. Nicht nur im Hallenbau, wo heute schon Spannweiten bis zu 200 m möglich sind (z. B. die Mehrzweckhalle von Toyo Ito in Akita (J) mit 178 m), auch im Geschosswohnungsbau sind die Grenzen des technisch Machbaren noch lange nicht erreicht. Während das europaweit erste siebengeschossige Wohnhaus in Holzbauweise und urbanem Kontext bereits 2008 in Berlin entstand, ist der »LifeCycle Tower« mit bis zu 20 Geschossen lediglich ein Forschungsprojekt.
Vorfabrikation, verbesserter Brand- und Lärmschutz und seine Leichtigkeit machen Holz auch zum idealen Material für das Bauen im Bestand.
Das Architekturmuseum der TU München beweist mit dieser Ausstellung erneut, dass Architekturthemen lebendig präsentiert und auch für Laien verständlich aufgearbeitet werden können, ohne auf wissenschaftliche Grundlagen verzichten zu müssen. Auch dank zahlreicher, überwiegend von Studenten der TU München gebauter Modelle, kann die Ausstellung einmal mehr für den Einsatz von Holz in der Architektur begeistern.
Bis 5. Februar. Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, 80799 München, Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr, Katalog 39,95 Euro, www.architekturmuseum.de