balthasar-neumann-preis 2008

Einfach war die Entscheidung nicht: Mit 106 Arbeiten aus Deutschland (76), der Schweiz (11), Österreich (9), Spanien (4) sowie aus Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Lettland und Polen lag der Jury, unter Vorsitz von HG Merz, in ihrer Preisgerichtssitzung vom 21./22. Februar eine beeindruckende Dokumentation der immer intensiver werdenden und sich verändernden Zusammenarbeit zwischen Architekten und Planern vieler Disziplinen vor. Dies war nach 2004 mit 132 die zweithöchste Zahl an Einsendungen in der mittlerweile sechzehnjährigen Geschichte des Preises. Mit dem seit 1994 ausgeschriebenen europäischen Preis für Architektur und Ingenieurleistungen wird die beispielhafte, innovative und über technisch etablierte Standards hinausgehende Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen an einem bemerkenswerten Bauwerk ausgezeichnet. Am Abend des 22. Februars stand – nach vielen engagierten Diskussionen – der Preisträger fest: das Mahnmal 11. März am Atocha-Bahnhof in Madrid, eine spanisch-deutsche Kooperation der Architekten FAM Arquitectura y Urbanismo SLP, Madrid, mit dem Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart. Die Vielschichtigkeit des Entwurfs sowohl auf inhaltlicher als auch konstruktiver Ebene überzeugte die Jury. Mit dem Mahnmal sei im Madrider Stadtbild ein sehr präsenter und dabei wie dematerialisiert wirkender Ort des kollektiven Erinnerns an die Attentatsopfer geschaffen worden. Die konsequente Materialwahl der Glasblöcke, für die eine innovative Klebeverbindung entwickelt wurde, und der ETFE-Folie lässt bei Tag einen fast sakralen Raum des Gedenkens entstehen, der nachts zu einem Signet mitten im Stadtbild wird.

Die spanischen Architekten hatten noch zu Studienzeiten den Wettbewerb gewonnen, dessen Realisierung, so Knut Göppert, Projektleiter und Partner bei Schlaich Bergermann, anlässlich eines kleinen Empfangs zur Feier der Preisträger am 26. Februar in Stuttgart, oft in Gefahr war und sich nur durch den unglaublichen Einsatz des jungen Büros gegen alle Widrigkeiten behaupten konnte. Deshalb freue es ihn besonders, dass in einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen einem renommierten Büro und jungen Architekten ein solcher Ort habe entstehen können.
Anerkennungen gingen an das Letzigrund Stadion, Zürich (Architekten: Bétrix & Consolascio Architekten, mit Eric Maier, Erwin Gruber, Erlenbach, Ingenieure: Walt & Galmarini AG, Zürich), das Gemeindezentrum Ludesch (Architekten: Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach, Ingenieure: IBO – Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie, Dornbirn), das Dokumentationshaus Hinzert, (Architekten: Wandel Hoefer Lorch, Saarbrücken, Ingenieure: Schweitzer Ingenieure, Saarbrücken), eine Straßenbahnhaltestelle in Alicante (Architekten: Subarquitectura, Alicante, Ingenieure: Sercal S.L., Consulting Engineers, Alicante) sowie das Weingut Gantenbein, Fläsch (Architekten: Bearth & Deplazes Architekten AG, Chur, Ingenieure: Gramazio & Kohler Architekten, Zürich, Architektur und Digitale Fabrikation, ETH Zürich).
In die Engere Wahl kamen das Bürohaus Dockland, Hamburg (Architekten: BRT Architekten, Bothe Richter Teherani, Hamburg, Ingenieure: Dr. Binnewies Ingenieurgesellschaft, Hamburg), die Hochschule für Technik und Wirtschaft, Aalen (Architekten: MGF Architekten GmbH, Stuttgart, Ingenieure: Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe), die Olympia Skisprungschanze, Garmisch-Partenkirchen (Architekten: terrain:loenhart & mayr, München, mit Architekten sieber-renn.de, Sonthofen, Ingenieure: Mayr Ludescher Partner, München) sowie das FRABA-Produktionsgebäude, Slubice. Der von der deutschen bauzeitung und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V., Berlin, ausgelobte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird am 6. Juni in der Würzburger Residenz verliehen. Er wurde in diesem Jahr unterstützt von der Autodesk GmbH. Die ausgezeichneten Arbeiten werden in der db-Ausgabe 6/2008 »Balthasar-Neumann-Preis 2008« ausführlich vorgestellt. ~red