Bärendienst

Im Grunde sind die Heidelberger Schlossgespräche eine gute Sache. Denn die gängigen Klischees über Architekten sitzen tief und ein Rahmen, der Architekten und interessierte Bürger zusammenbringt, ist dringend nötig. Auch ist es sicher richtig, die Besucher mit großen Namen anzulocken – am 18. Juli sorgte Gottfried Böhm für einen gut gefüllten Königssaal. Namen alleine garantieren aber noch keinen erhellenden Abend. Die Veranstalter sind gut beraten, vor den kommenden Schlossgesprächen jeweils genau zu überlegen, welche Inhalte auf welche Art dargebracht werden sollen. Bei der dritten Veranstaltung vertrauten die Redner mehr auf die Wirkkraft von Bildern als auf laiengerechte Erläuterungen ihrer Entwurfsprinzipien, das Leitthema »Bauen im historischen Kontext« wurde nicht konkret greifbar. Der Moderator bemühte sich redlich, aus der anschließenden Podiumsrunde Fleisch für eine Kontroverse zu gewinnen, aber leider war man sich einig: Bauen im Kontext bedarf des Abwägens zwischen der »Grammatik« des Bestands und der freien Formerfindung. Einer der wenigen relevanten Beiträge des Abends – der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde beklagte, dass unerfüllbare Denkmalschutzauflagen ihn daran hindern, den Ort zukunftsfähig zu machen – wurde übergangen. Letztlich musste der Eindruck entstehen, dass die Architektenschaft ein um sich selbst und um akademische Fragestellungen kreisender Zirkel ist. Im Sinne der Baukultur und des Verständnisses füreinander wäre es sicher besser, miteinander statt aneinander vorbei zu reden. ~ge