1 Licht spielt eine der entscheidenden Rollen im Verkaufsraum. Es muss perfekt auf die geplante Käuferschicht abgestimmt und im Entwurfskonzept frühzeitig berücksichtigt werden, wie etwa hier ein Lichtband in der Decke. Während dieses die Kunden »nur« als Leitsystem in den hinteren Ladenbereich führen soll, dienen die Deckeneinbauleuchten der Allgemeinbeleuchtung
2 Wesentliche Größen, Einheiten und Begriffe der Lichtplanung
3 Bei einem Laden in New York treten die Leuchten zugunsten der Lichtwirkung und der Produkte dezent in den Hintergrund. Eingebaute Richtstrahler inszenieren die Waren und steigern die Raumtiefe der Regale
4 Skulpturenlinse
5 Floodlinse
6 Interferenzfarbfilter
7 Wabenraster
8 Blendschutzklappe
9 Für den Verkaufsraum geeignete Lampenarten und ihre Merkmale
10 Für die intensive Farbatmosphäre in einer Passage in Köln verwendeten die Planer Wandfluter mit magentafarbigen Halogen-Metalldampflampen und zusätzlichen dichroitischen Farbfiltern in Magenta, um die gleichfarbigen Wandflächen zu beleuchten
Technik

Auf Lichtfang

Wer Produkte ansprechend präsentieren mag, muss sich auch über die Bedeutung der Lichtplanung im Klaren sein – ange-fangen vom Eingangsbereich bis hin zur Umkleide. Denn blendende Allgemein- beleuchtung oder gerichtetes Akzentlicht entscheiden nicht nur über die Farbwiedergabe, sondern auch über die Käuferschicht. Für diese erfüllt Licht in erster Linie drei Funktionen: Licht zum Sehen, zum Ansehen und zum Hinsehen. In order to attract customers one must be aware of the of the importance of lighting design – from the entrance area through to, for example, changing rooms. For the customer lighting fulfils above all three functions: light for seeing, for looking and for inspection.

Neben diesen Überlegungen sollte das einfache Bedienen und Warten bei der Leuchtenauswahl berücksichtigt werden. Von der Norm vorgegebener Bestandteil einer Beleuchtungsplanung ist auch ein Wartungsplan. Dieser legt die Reinigungsintervalle sowohl von Leuchten als auch des Raumes sowie den Lampenwechsel fest. T. S.

Licht ist ein entscheidender Faktor bei der Gestaltung von Verkaufsräumen: Es zieht Aufmerksamkeit auf sich, führt zur optimalen Wahrnehmung von Waren, dient der Orientierung und dem Wohlbefinden. Spezielle Licht- und Steuerungstechnik ermöglicht den Entwurf von Lichtszenen für unterschiedliche Tageszeiten und Raumnutzungen. Der wichtigste Aspekt bei der Lichtplanung in Verkaufsräumen ist der Aufbau von Wahrnehmungshierarchien, um den Raum zu strukturieren. Dabei sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Akzent- und Allgemeinbeleuchtung angestrebt werden und eine Abstimmung auf Materialien und die Architektur erfolgen. Für die Kommunikation und Analyse der Beleuchtung helfen die Begriffe des amerikanischen Lichtplaners Richard Kelly, der in »Licht zum Sehen«, »Licht zum Hinsehen« und »Licht zum Ansehen« unterscheidet. Ersteres bezeichnet die Allgemeinbeleuchtung, um grundsätzlich eine Sehleistung zu ermöglichen. Das so genannte Licht zum Hinsehen schafft durch Helligkeitskontraste in der Akzentbeleuchtung Wahrnehmungshierarchien. Insbesondere mit gerichtetem Licht lassen sich Zonen oder Objekte im Raum hervorheben. Der Blick des Betrachters wird geführt, die Orientierung im Raum unterstützt und beschleunigt. »Licht zum Ansehen« umfasst eine Vielzahl von Beleuchtungseffekten, die aus atmosphärischen oder dekorativen Gründen eingesetzt werden und nicht in erster Linie eine praktische Funktion besitzen – beispielsweise ein Licht-Kunst-Objekt oder auch farbige Beleuchtung. Eine Lichtplanung erweist sich als gelungen, wenn sich alle drei Komponenten in einem ausgewogenen Verhältnis wiederfinden.
Markenbildung mittels Licht »Corporate-Light«-Konzepte stärken mit einem charakteristischen Lichtkonzept das Corporate Design einer Marke. Dieses beinhaltet zum einen die Entwicklung von Lichtstimmungen, die für die Marke angemessen erscheinen; zum anderen die Auswahl von Leuchten, die bereits mit ihrem Design den jeweiligen Markencharakter transportieren. Während zum Beispiel deckenintegrierte Beleuchtung mit Downlights die Lichttechnik elegant in die Architektur eingliedern, entfalten additive Beleuchtungssysteme wie Strahler an Stromschienen oder Pendelleuchten einen expressiven Ausdruck, da sie technische Details zeigen. Manche Markengeschäfte arbeiten mit gezielten Lichtin-szenierungen vor einem dunklen Hintergrund, um die Exklusivität ihrer Produkte zu unterstreichen. Bei jungen Zielgruppen sollen vor allem starke Kontraste und Farben Emotionen hervorrufen und den Verkauf steigern. Eine weiche und ruhige Atmosphäre entsteht hingegen durch einen hohen Anteil an diffusem Licht.
Lichtplanung und Lichtsteuerung Wesentlich für die technische Lichtplanung sind die Beleuchtungsstärke, ein ausgewogenes Verhältnis der Leuchtdichtekontraste, die richtige Farbwiedergabe und Lichtfarbe für eine bestmögliche Bewertung der Ware, die Blendungsbegrenzung für guten Sehkomfort sowie die Lichtrichtung für eine optimale Modellierung. Neben diesen quantitativen Kriterien entscheidet aber vielmehr das qualitative Beleuchtungskonzept über den ästhetischen Wert und die Attraktivität des Verkaufsraumes und der Waren. Denn nur ein differenziertes Lichtkonzept kann auf die Anforderung der jeweiligen Zonen optimal reagieren. Die richtige Kombination von Lampen, Leuchten und deren Anordnung bilden somit die Basis für die optimale Lichtplanung. Um die Beleuchtung möglichst flexibel unterschiedlichen Anforderungen anzupassen, ist eine exakte Lichtsteuerung unabdingbar. In Abhängigkeit von der Tageszeit lassen sich dann spezifische Lichtszenen definieren. Durch Sensoren kann die Lichtsteuerung automatisch auf das Tageslicht reagieren und den Sonnenschutz in Kombination mit der Innenraumbeleuchtung regeln. Die Programmierung von dynamischem Licht steigert bei Kunden den Erlebniseindruck und erzielt höhere Aufmerksamkeit. Immer mehr wird nun auch »DALI«, Digital Adressable Lighting Interface, zum neuen Standard in der Beleuchtungstechnik. Es dient dazu, Licht auf lokaler Ebene anzusteuern und sämtliche Elemente wie Leuchten, Sensoren und Bediengeräte miteinander zu verknüpfen. Schnittstellen ermöglichen es, DALI in die übergeordnete Gebäudetechnik mit EIB (European Installation Bus) oder LON (Local Operating Network) einzubinden.
Zonen innerhalb des Beleuchtungskonzepts Für die unterschiedlichen Beleuchtungsanforderungen in Geschäften führt folgende Übersicht die wichtigsten Aspekte für die Lichtplanung auf:
Eingang
Eine akzentuierte Eingangzone mit einer hellen »welcome mat« schafft ein freundliches Entre. Das Auge adaptiert an dieser Stelle von der hellen Umgebung bei Tag zu der geringeren Innenraumbeleuchtung. Am Abend sorgt diese partielle Beleuchtung des Bodens für eine bessere Orientierung. Geeignet für die erforderliche punktförmige Lichtquelle sind zum Beispiel Strahler oder Downlights mit Halogen-Metalldampflampen (Bild 9).
Verkaufsraum
Die Lichtquellen sollten den Raum nicht dominieren und von den Waren ablenken. Kontraste in der Beleuchtungsstärke strukturieren den Raum, definieren Zonen und trennen durch Wahrnehmungshierarchien das Wichtige vom weniger Wichtigen. Um einen wirkungsvollen Kontrast zu den Produkten entstehen zu lassen, sollte die Beleuchtungsstärke der Gangbereiche unter der der Verkaufs-fläche liegen. Eine ausreichende horizontale und vertikale Beleuchtungsstärke sorgt für die gleichmäßige Beleuchtung der Waren. Zusätzlich akzentuieren Strahler besondere Objekte; ein Kontrastverhältnis von 1:10 zur Umgebungsbeleuchtung ist notwendig, um einen wahrnehmbaren Unterschied zu erkennen. Für eine ausgeglichene Modellierung der Produkte sollte der Neigungswinkel bei Strahlern 30 ° zur Vertikalen betragen. Er lässt Objekte drei- dimensional erscheinen und vermeidet starke Schlagschatten. Außerdem wird ab diesem Neigungswinkel die Gefahr einer Direktblendung weitestgehend vermieden, die ebenso bei Streulicht und nicht korrekt ausgerichteten Leuchten besteht. Die Beleuchtung von Architekturelementen wie Gewölben oder Stützen hebt den Raum stärker hervor.
Wände und Regale
Über beleuchtete Wände lässt sich der Raum definieren, Regale mit Waren werden betont. Für die vertikale Beleuchtung erzielen Wandfluter eine sehr gleichmäßige Helligkeit von der Decke bis zum Boden. Streiflicht, erzeugt durch Downlights oder Strahler in geringem Abstand zur Wand, betont Texturen. Farbig hinterleuchtete Wände, etwa durch die Verwendung von Farbfiltern, LEDs oder farbigen Leuchtstoffröhren, können als Hintergrund zur dynamischen Produktinszenierung dienen.
Vitrinen
Bei wertvollen Waren in Vitrinen erzeugt gerichtetes Licht von Strahlern hohe Brillanz bei sehr guter Farbwiedergabe. Dafür eignen sich kleine Lichtquellen wie Halogen-Glühlampen, LEDs und Faseroptiksysteme, Lichtlenksysteme über Glasfasern. Eine ausgewogene Komposition der Lichtrichtungen bewirkt hohe Modellierung. Wichtige Aspekte sind ferner die blendfreie Anordnung und Ausrichtung der Leuchten sowie die Berücksichtigung der Wärmeentwicklung.
Umkleide
Unverfälschte Farbwiedergabe und blendungsfreies Licht zählen zu den wichtigsten Kriterien, um gute Lichtqualität vor dem Spiegel zu erhalten. Ausschlaggebend für die gleichmäßige Ausleuchtung der Kleidung ist eine gute vertikale Beleuchtungsstärke auf der Person. Diffuses Licht – wie es bei indirekter Beleuchtung von hinter dem Spiegel montierten Leuchtstofflampen auftritt – vermeidet in diesem Fall harte Schatten. Je nach Corporate-Light-Konzept werden aber auch Halogen- oder Hochdruckentladungslampen verwendet.
Kassenbereich
An den Kassen gelten die Richtlinien der Arbeitsplatzbeleuchtung zur Vermeidung von Blendung und Reflexblendung auf Bildschirmen. Dem Kunden fällt die Orientierung leichter, wenn der Bereich heller erscheint, etwa durch beleuchtete Schilder oder andere vertikale Leuchtflächen.
Lampen für den Verkaufsraum Die Entscheidung für einen Lampentyp hängt von Kriterien ab, die sich aus den geplanten Lichtwirkungen sowie den Rahmenbedingungen des Projektes ergeben. Aus einer Vielzahl von Lampen erfüllt nur eine begrenzte Anzahl die gestellten Anforderungen. So können die gewünschten Wirkungen wie Modellierung und Brillanz nur durch gerichtetes Licht hervorgerufen werden. Dieses erfordert punktförmige Lichtquellen wie Halogenglühlampen und Hochdruckentladungslampen, deren Licht meist zusätzlich durch Reflektoren gebündelt wird.
Generell werden zwei Gruppen unterschieden: Temperaturstrahler und Entladungslampen (Bild 9). Bei ersteren ist zwar die Lichtausbeute nicht so effizient und die Wärmebelastung im Hinblick auf die Klimatechnik größer, dafür sind sie gut dimmbar und stehen für eine sehr gute Farbwiedergabe. Im Gegensatz dazu liefern Entladungslampen eine höhere Lichtstärke und -ausbeute.
Die Lichtfarbe einer Lampe beeinflusst das farbige Aussehen beleuchteter Objekte: Warmweiße Lichtfarben betonen warme, beispielsweise rote und gelbe Farben, während tageslichtweiße Lichtfarben kalte Farben wie Blau und Grün hervorheben. Die Farbwiedergabe und die Farbstabilität während der gesamten Lebensdauer entscheiden über die Qualität, wie Farben wieder- gegeben werden.
Leuchten im Verkaufsraum Strahler an Stromschienen sind als flexible Leuchten prädestiniert für die Verkaufsbeleuchtung, da sich Montageort und Ausrichtung variabel den wechselnden Präsentationsanforderungen anpassen lassen.
Sie werden für die Akzentbeleuchtung mit unterschiedlichen Ausstrahlungswinkeln und umfangreichem Zubehör angeboten. Dieses umfasst Bildschablonen, die so genannten Gobos, Linsen, Filter oder Blendschutzmaßnahmen:
Gobos
Konturenstrahler ermöglichen durch die Projektion von Gobos die Abbildung von unterschiedlichen Lichtkegelkonturen oder Lichtmustern für dekorative Effekte.
Linsen
Skulpturenlinsen (Bild 4) verformen runde Lichtkegel zu einem elliptischen Querschnitt, um lange Objekte wie Schaufenster- puppen gleichmäßiger zu beleuchten. Floodlinsen (Bild 5) spreizen den Lichtkegel auf und sorgen für einen weicheren Lichtkegelrand. Interferenzfarbfilter (Bild 6) aus Glas zeichnen sich durch genau definierte und abgegrenzte Farbtöne aus.
Filter
Um Waren vor dem Ausbleichen oder Lebensmittel vor zu hohen Temperaturen zu schützen, finden Schutzfilter Verwendung: Filter gegen ultraviolette und infrarote Strahlung bewahren Objekte vor dem schädlichen Lichtspektrum. Korrekturfilter verändern subtil die Lichtfarbe. Skintonefilter sorgen für eine verbesserte Wirkung von natürlichen warmen Farben, insbesondere von Hautfarben und werden so beispielsweise auch in Umkleiden verwendet.
Blendschutzmaßnahmen
Als Maßnahmen für den Blendschutz kommen Wabenraster oder Blendschutzklappen (Bilder 7, 8) in Frage. Sie optimieren den Sehkomfort für den Betrachter.
Eine weitere Leuchtengruppe für die Stromschiene sind Fluter: Sie besitzen eine breitstrahlende symmetrische Lichtverteilung mit einem weichen Gradienten, um Produktgruppen oder Hintergrundflächen zu beleuchten. Wandfluter hingegen beleuchten mit ihrer asymmetrischen Lichtverteilung ausschließlich vertikale Flächen. Das Ergebnis ist eine hohe Uniformität der Beleuchtungsstärke auf der Wand.
Bei Deckeneinbauleuchten reicht das Spektrum vom klassischen »Downlight« mit breiter symmetrischer Lichtverteilung für die Allgemeinbeleuchtung über Downlight-Wandfluter und Linsenwandfluter zur vertikalen Beleuchtung bis hin zu Downlight-Richtstrahlern für die flexible Akzentuierung. Eine optimierte Reflektortechnik garantiert dabei einen hohen Leuchtenwirkungsgrad. Der Abblendwinkel reduziert die Blendung für besseren Sehkomfort.
Weitere Optionen der Beleuchtung eröffnet die Verwendung von Lichtstrukturen, die Integration von Licht in Möbeln, Regalen oder in die Architektur, wie zum Beispiel mit Lichtvouten, diffus leuchtenden Lichtdecken oder farbigen Lichtwänden.
Wirtschaftlichkeit Insbesondere bei großflächigen Neu- und Umbauten nimmt die Wirtschaftlichkeit der Beleuchtungsanlage eine wichtige Rolle ein. Die Diskussion um die Gesamtkosten sollte aber immer im Verhältnis zur gewünschten Lichtqualität und Wirkung stehen. Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit ist die »Anschlussleistung« pro Fläche (W/m2), die von der Lichtausbeute und dem Leuchtenwirkungsgrad abhängt. Entscheidend für die Betriebskosten sind zudem die Lampenlebensdauer, der Lampenlichtstrom- und Leuchtenwartungsfaktor. Energiesparende Leuchtmittel wirken sich durch reduzierte Wärmelast zugleich auch auf die Investitions- und Betriebskosten der Klimaanlage aus. Eine integrierte Planung von Beleuchtung und Klimatechnik führt so zu effizienten Systemen, aus denen geringere Nebenkosten für die Mieter resultieren. Je nach Größe der Immobilien und Länge der Nutzungsdauer stehen bei der Planung die Betriebs- oder die Investitionskosten im Vordergrund. Auch mittels Lichtsteuerung kann der Energieverbrauch weiter optimiert werden.
Literaturhinweise: – DIN EN 12464–1: Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen, Berlin, 2003 – Ganslandt, Rüdiger und Harald Hofmann: Handbuch der Lichtplanung, Vieweg, Wiesbaden, 1992 – Pracht, Klaus: Läden, Birkhäuser Verlag, 2001