Architektursommer in Hamburg

~Claas Gefroi

Der sechste Hamburger Architektur Sommer neigt sich dem Ende zu. Die traditionsreiche Architekturtriennale erreichte nicht ganz den Umfang von 2006, gewann jedoch an inhaltlicher Schärfe. Mit den 80 Veranstaltungen zum Schwerpunktthema »Hamburg im Fluss« wurde erstmalig die Architektur und Stadtentwicklung der Hansestadt beleuchtet, ohne eine narzisstische Nabelschau zu veranstalten. Wichtigste Ausstellung dazu ist »Multiple City – Stadtkonzepte 1909–2009« (bis 15. November), die das Spektrum modernen Städtebaus weltweit auffächert. Die aus München übernommene Schau hat einen Hamburger Teil, in dem wichtige Themen wie das Leben an und mit der Elbe reflektiert werden. Weiterer Höhepunkt ist die Ausstellung »Hamburg und seine Brücken« (bis 3. Januar), hier werden Zweckmäßigkeit und Schönheit von Ingenieurbauwerken nicht nur in historischen Fotos und Plänen, sondern auch anhand von Modellen und Experimenten anschaulich vermittelt. Nachhaltiges Planen und Bauen ist ein weiterer Schwerpunkt: Die von Kristin Feireiss kuratierte Ausstellung »Seismograph City« verglich Hamburgs Nachhaltigkeitsstrategien mit Projekten aus aller Welt – eine aufwendig gestaltete Schau, deren ausschließliche Präsentation auf Bildschirmen aber problematisch war. Und zum 50. Jubiläum der einstigen Zukunftsstadt »City Nord« wird am 14. September ein Symposium über die energetisch effiziente und nachhaltige »Bürostadt der Zukunft« stattfinden.
Bemerkenswert ist der Fokus vieler Veranstaltungen auf den sozialen Aspekten städtischer Entwicklung. Eine Entdeckung war »Portraits from Above«, die Dokumentation informeller Siedlungen auf den Hochhausdächern Hong Kongs, die ganz ohne Architekten entstehen. Ein Forum zum Austausch über Chancen und Probleme der Trabantenstädte bietet die Veranstaltung »Steilshoop lädt andere Großwohnsiedlungen ein« (11. September).
Dieser Architektur Sommer musste ohne medienwirksame Highlights auskommen – für eine große Schau fehlen große Institutionen, die solche Projekte stemmen wollten und könnten. Statt dessen gab es eine Fülle von kleineren Veranstaltungen, die sich intensiv mit Gegenwart und Zukunft unserer Städte beschäftigen. Diese Vielfalt und das private Engagement von Enthusiasten war immer schon die Stärke des Hamburger Architektur Sommers.