architekturbiennale SAo paulo

~Wolfgang Pehnt

Der Ibirapuera-Park in São Paulo ist eines der Spielfelder, auf denen Brasiliens Uraltmeister Oscar Niemeyer seine Visionen ausleben konnte. Über die Jahrzehnte hinweg entstanden Gebäuderiegel – im längsten fand im November und Dezember die Architekturbiennale statt –, eine Halbkuppel, ursprünglich als Planetarium gedacht, neuerdings ein keilförmiges Auditorium. Alle diese inzwischen vorhersehbaren Gebilde Niemeyerscher Fantasie sind durch die Tentakel einer offenen Pfeilerhalle miteinander verbunden. Zu Niemeyers hundertstem Geburtstag ließ es sich die Biennale nicht nehmen, unterm Dach der Freihalle wie im Ausstellungsgebäude ihren Star noch eigens zu feiern.
Im Übrigen ging es in São Paulo, das seine Biennale zum siebten Mal beging, reflektierter zu als bei der Konkurrenz in Venedig. Reisende internationale Zelebritäten fanden hier keine offenen Türen. Alle eingeladenen Teilnehmer, Staaten, Architekturschulen, Einzelarchitekten, internationale Agenturen, natürlich auch brasilianische Institutionen von der Denkmalpflege bis zu den Architektenverbänden, waren auf ein Motto verpflichtet: »Das Öffentliche und das Private«. Das Thema hat in der – nach UN-Zählung – zweitgrößten Stadtagglomeration der Welt noch mehr Aktualität als anderswo, gilt es doch, in dieser chaotischen Megastruktur ein Minimum an Planungsrecht, an Grünpolitik, öffentlichem Nahverkehr und Sozialplanung durchzusetzen.
Im Vergleich zu Venedig, wo Länder ihre eigenen Pavillons bespielen, war die Beteiligung der Nationen in São Paulo eher zurückhaltend. Verantwortet vom Frankfurter Deutschen Architekturmuseum, schickten die Deutschen erstmals eine eigens konzipierte Schau. Auf das Motto ließ sich das DAM freilich nicht ein, sondern betrieb muntere Exportwerbung. Sechzehn Büros, die im Ausland bauen, durften sich in aufgeklappten Aluminiumkoffern darstellen, die auf einem schwarzrotgoldenen Teppich mit aufgedrucktem nationalem Tugendkatalog (»diszipliniert, gewissenhaft, gründlich …«) paradierten. Über die Auswahl dürften nicht alle Kollegen glücklich gewesen sein. Weder gmp noch Speer, weder Auer + Weber noch Fink + Jocher waren vertreten, aber durchaus auch nicht nur mutige junge Anfänger. Im nächsten Sommer zeigt das DAM die Schau im eigenen Haus. Diskussionsstoff vorhanden.