Anders wohnen II

Auf die Offenheit für Ungewohntes setzt auch die Stadt Zittau bei der Sanierung einiger altstadtnaher Straßenzüge. Über 100 Wohnungen standen in mehreren Geschosswohnungsbauten aus den 80er Jahren leer, entsprechend unbelebt wirkte die Gegend, was sich auch auf den nahen Marktplatz auswirkte. Seit vergangenem Jahr wurden die Wohnungen saniert, z. T. unter Beteiligung der neuen Mieter, die einerseits zum Studieren in die Stadt im Dreiländereck ziehen und andererseits aus den Zittauer Vororten stammen. Fürs Tapezieren, Streichen und Verlegen von Laminat bekommt man Renovierungsprämien, die zusammen schon zwei Warmmieten erreichen können. Vom Berliner Immobilienentwickler spark::ling wurde parallel der Stadt eine künstlerische Bearbeitung der Straßenzüge vorgeschlagen, die die bisher sehr nüchternen Fassaden in alle Regenbogenfarben tauchen und mit Reliefs und großen Figuren versehen. Bewusst suchte das Unternehmen mit Sergej Alexander Dott einen Künstler aus, dessen Werke unmittelbar zugänglich sind. Dennoch gab es zunächst Protest, sogar eine Unterschriftenaktion gegen ein violettes Haus, das bis zum Marktplatz strahlt – und wie gewünscht Touristen in das Viertel lockt. Mittlerweile hat sich die Gegend zur festen Attraktion entwickelt und auch die Bewohner empfinden einige Figuren sogar als »Schutzengel«. ~dr