andere landschaften

~Urte Schmidt

Wie leben Menschen in unmittelbarer Nähe einer Autobahnschneise? Wie sieht eine Mülldeponie tatsächlich aus, welche Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar für ein solches Gelände nach dem Anfüllen mit Abfall? Ist die wüstenähnliche, manchmal skurrile Topographie des Kohlebergbaus nicht erhaltenswert und welches ästhetische Potenzial bergen moderne Windkraftwerke? »Andere Landschaften« waren Thema des 14. Berliner Gesprächs am 5. Dezember in der Heinrich-Böll-Stiftung.
Viel zu wenig befassen sich Gestalter mit den großräumigen, einschneidenden Veränderungen der Umwelt durch wirtschaftliche und technologische Entwicklungen, das wurde im Verlauf der spannenden Vorträge und Diskussionen wieder einmal deutlich. Die allgegenwärtige, Raum prägende Wirkung des Autos hob nicht nur die Berliner Kulturwissenschaftlerin Susanne Hauser zu Beginn hervor: Die meisten Landschaften nehmen wir heute im Vorbeifahren aus dem Pkw oder ICE wahr. »Anhalten und Aussteigen!«, lautet die Aufforderung des Künstlers Markus Ambach, der in diesem Sinne das Projekt »B1/A40 – Die Schönheit der großen Straße« initiierte, das im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gefördert wird. Und dafür entlang der Autobahn, zerstörerische Schneise und Lebensader zugleich, eine Vielfalt von Lebensformen entdeckte, die er im Rahmen eines Wanderwegs inszeniert.
Auch Thomas Knüvener aus Köln berichtete von einem Spaziergang: Auf der Suche nach neuen Nutzungsformen für eine Mülldeponie lud er die Anwohner zur Besichtigung ein – sie waren neugierig und erschienen zahlreich. Bei weiteren Aktionen dienten die folienbedeckten und schuttähnlichen Hügel als temporärer Freizeittreff für Radcross und Golf.
Landschaft ist konstruiert und einem steten Wandel unterworfen, so das Fazit der Veranstaltung. Die Beiträge zeigen den kreativen Umgang mit eher negativ besetzten Wirklichkeiten. Gerade alltägliche Landschaften aber benötigen aktiven Gestaltungswillen – von Planern und Anwohnern. Sie sind gefordert, sich maßgeblich einzumischen in eine rasant fortschreitende ökonomische Verwertung der Umgebung.