Alexander von Branca (1919-2011)

»Meine Sachen sind ein bisschen romantisch«, sagte Alexander von Branca einmal über seine Architektur. Und das trug ihm auch Kritik ein, insbesondere bei der Neuen Pinakothek in München, die 1981 eröffnet wurde (s. db 8/2008, S. 50-55). Sie habe zu viele Bögen, sei nicht richtig modern, der Architekt zwischen den Zeiten hängengeblieben. Doch umfasst von Brancas Werk viel mehr als dieses eine Museum und weist seinen Urheber als wichtigen zeitgenössischen Architekten aus: Universitätsbauten, ein Schwimmbad, mehrere Botschaften, drei Münchner U-Bahnhöfe und nicht zuletzt 29 Kirchen-Neubauten und mindestens ebenso viele Restaurierungen. Der Glaube war eine zentrale Kraftquelle des Sohns aus einer protestantischen Münchner Diplomatenfamilie, der zum Katholizismus konvertierte und der während des Krieges von der Gestapo inhaftiert war. Ab 1946 studierte Alexander von Branca Architektur in München und Zürich, 1951 gründete er in München sein Büro. Bereits 1953-55 realiserte er sein erstes bedeutendes Gebäude, die Klosterkirche der Herz-Jesu-Schwestern in München (gemeinsam mit Herbert Groethuysen). »Hyperschlanke Betonpfeiler und surreal dünne, unverkleidete Betonschalen« (Gottfried Knapp) charakterisieren das Gebäude. Das Ziel von Brancas war es, die Menschen »aus der Zerstreutheit in die Sammlung zu führen«. Nicht nur seine Kirchen, auch die anderen Bauten lassen immer wieder sakrale Anklänge erkennen. Durchdachte Belichtung ist ein wichtiger Teil davon. Ebenso die Erkenntnis, dass Architektur eine äußere und eine innere Qualität haben muss, städtebaulich gut passen wie ein innenräumliches Erlebnis bieten soll. Ersteres war Alexander von Branca insbesondere während seiner Zeit als Kreisheimatpfleger 1972-88 ein zentrales Anliegen. 2005 erhielt er die Leo-von-Klenze-Medaille für seine Verdienste um das staatliche Bauwesen in Bayern. In den letzten Jahren lebte er zurückgezogen auf seinem Bauernhof in Miesbach. ~dr