1 Hotel Zukunft– Architekturgespräche Luzern 2005

Architekten sind ernste Menschen und besonders im deutschsprachigen Raum häufig von einer bedrückenden Kopflastigkeit. Der Kairoer Designer Karim Rashid hingegen, eine Ikone des zeitgenössischen Industrie- designs, ist ein Gefühlsmensch: »Why is everybody so serious?«, war dann auch seine Frage an Frank Joss, den Gastgeber bei den diesjährigen Architekturgesprächen Luzern im Kunst und Kulturzentrum. Das Hotel der Zukunft war das Thema und wie immer, wenn Joss einlädt, waren hochkarätige Gäste vertreten. Die Zukunft scheint in den »Design-Hotels« der gehobenen Preisklasse zu liegen. Die eleganten Wellness- oasen des Mailänders Matteo Thun, wie das SIDE Hotel in Hamburg und das Vigilius Mountain Resort in Südtirol, sind gelungene Beispiele der neuen Generation reduziert geschmackvoller Hotels. Thomas Willemeit, Lars Krückeberg und Wolfram Putz von Graft haben da einen anderen Ansatz: Das Architekten-Team empfängt den Gast im Berliner HotelQ mit seiner fließenden Interpretation des Hotels im 21. Jahrhundert und verschmilzt den Ausbau mit der Architektur. Den »Design-Overkill« findet man im Hotel Puerta América in Madrid: Eine Vielzahl namhafter Architekten und Designer haben diesem Hotel ihren Stempel aufgedrückt. Entstanden ist ein »Best-Of-Sampler« aktueller Design- und Architektur-Protagonisten. Das britische Energiebündel Gerard Greene hat zusammen mit Simon Woodroffe das YOTEL (Abb. 1) erfunden, eine Art Mc Donalds des Hotelgewerbes. Nach dem Vorbild der japanischen Kapselhotels ließ Greene von den Airbus-Designern Priestman Goode 10 m² große Zimmer gestalten. Mit lediglich 70 Pfund pro Tag will das YOTEL das Low-Budget-Segment im Zentrum Londons erobern. Karim Rashid will das ebenfalls, sein MyHotel in Brighton soll ein High-Tech-Wunder der Hotelbranche werden: Das Zimmer öffnet sich mit Fingerabdruck, und das Bett dreht man so, wie man will. Durch die Erfahrung eines »Digi-Pop-Hotelzimmers«, so Rashid, sollen die Leute merken, wie banal ihre eigene Wohnung ist. Im »Lässigen Zeitalter« ist das Duale der digitalen Welt sein Mantra. Sein Statement »Fuck Candles« wird zum Abgesang auf jegliche romantische Verklärung. Und seine Lieblingsfarbe ist definitiv Pink. Will Alsop hingegen plant Hotels in Form eines Teddys und der Bienenkorb-Frisur von Marge Simson. Ein Grund, warum der Architekt das Thema eher uninteressant findet, ist die Tatsache, dass er selber nur ungern in Hotels übernachtet. Mit viel Ironie und Spaß stellt er trotzdem seine Version des Hotelzimmers, die Hütte mit Bett, Fenster, vier Wänden und Dach, vor. Frank Joss hat es geschafft, eine hervorragend organisierte Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Im Juni 2006 folgt die nächste, dann zum Thema Musik und Architektur. Boris Kagelmann

Es ist so weit: Die Stadienserie der db beginnt mit der Vorstellung der Spielstätten in Köln und München. Der Umbau der KölnArena bei laufendem Spielbetrieb bildet den Auftakt dieses Heftes (S. 3 – 8), die Allianz Arena von Herzog & de Meuron den Abschluss (S. 103 – 108). Bis zum Beginn der Fußball-WM stellen wir monatlich jeweils ein Stadion auf einem zusätzlichen Detailbogen am Ende des Heftes detailliert vor. Doch damit nicht genug: Jeden Monat gibt es auch Karten für WM-Spiele zu gewinnen. Nutzen Sie also Ihre Chance, mit der db an begehrte WM-Tickets zu gelangen – viel Erfolg! www.bauzeitung.de/philips
In Rom ist das Ara Pacis-Museum von Richard Meier fertig gestellt worden. Der Museumsbau umschließt den Ara Pacis Augustae, einen Opferaltar aus dem Jahr 9 v. Chr., der direkt am Tiber, nahe der Ponte Cavour, liegt. Zuvor war der Altar von einem Bau von Ballio Morpurgo aus dem Jahr 1938 umschlossen, von dem lediglich eine Travertinwand erhalten blieb. Richard Meiers Altarumbau, ebenfalls aus beigefarbenem römischem Travertin, hat eine 13 Meter hohe und 50 Meter lange Vorhangfassade aus Glas. Ein großzügiges Foyer mit schlanken Betonstützen führt zum Hauptraum mit dem Altar. Während im Foyer das Licht gedämpft ist, strömt in den Hauptraum Sonnenlicht aus großen Oberlichtern. Zusätzlich zu Foyer und Hauptraum bietet der Bau Fläche für Sonderausstellungen und eine digitale Bibliothek. Vom Dachgarten mit Bar und Café ergibt sich ein Blick auf das Augustus-Mausoleum sowie über den Tiber. Der Altar wird am 22. September 2005 enthüllt, das Museum am 21. April 2006 eröffnet. uk
Der »deutschen Vorstadt«, einem geschlossenen Ensemble von elf Wohnhäusern im Einzugsbereich der Moskauer Metrostation Oktjabrskoje pole, im Stadtteil Schtschukino, droht der Abriss. Das Ensemble, Ende der vierziger Jahre von deutschen Kriegsgefangenen nach dem Entwurf des bedeutenden sowjetischen Architekten Dmitri Nikolajewitsch Tschetschulin errichtet, gehört zur schützenswerten historischen Bebauung der Stalinära. Der Kampf der Bewohner für den Erhalt dieses einzigartigen Stadtfragments mit seinen gestalteten Freiflächen, die durch ihren seltenen Grundriss und einige noch erhaltene Elemente der originalen Parkarchitektur auffallen, zieht sich schon über sieben Jahre hin. 1996 erklärte die Stadtverwaltung den wertvollen Wohnkomplex für baufällig, um ihn abreißen zu können und anschließend durch mehrstöckige Luxus-Wohnhäuser in Punktbebauung zu ersetzen. Die Bewohner haben mit Unterstützung der Russischen Akademie für Architektur und Bauwissenschaften, der Internationalen Akademie für Architektur und der Moskauer Architektenkammer immerhin erreicht, dass der Komplex 2002 in die Liste der neu festgestellten Bau- und Städtebaudenkmäler aufgenommen wurde; was die städtebaulichen Absichten der Stadtregierung natürlich durchkreuzte, die das Ensemble eigenhändig von dieser Liste genommen hatte. Der Streit mit den örtlichen Behörden geht jedoch insofern weiter, als den von der Stadtverwaltung als baufällig gebrandmarkten Häusern des Ensembles aktuell immer noch der Abriss droht. Eine deutsche Unterstützung z. B. durch eine Schirmherrschaft würde dem Kampf um den Erhalt dieser wertvollen Bausubstanz und seinen Bewohnern gleichermaßen einen großen Dienst erweisen. Till Wöhler
Wahrscheinlich hat über die Jahrtausende der Kirchenbaugeschichte kaum ein anderer Sakralbau die Gemüter so sehr bewegt wie Le Corbusiers Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp, die am 25. Juni 1955 eingeweiht wurde. Gerade, als sich die rationalistisch ausgerichtete Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg endlich zu behaupten schien, entwarf Corbusier die eher handwerklich anmutende skulpturale Kapelle, die dem breiten Publikum spontan gefiel, seine Architektenkollegen aber mindestens irritierte. Und dabei kann man von einer glücklichen Fügung sprechen, dass Le Corbusier die Kapelle, die längst zum Inbegriff der architektonischen Moderne geworden ist, überhaupt gebaut hat. Als Atheist hatte er sich zuerst nur wenig für den Auftrag der katholischen Kirche interessiert, bis er auf einer Reise von Paris nach Basel die Ruinen der im Krieg zerstörten Marien-Wallfahrtskirche auf dem Hügel oberhalb Ronchamps vom Zug aus gesehen hatte. Begeistert von der Lage griff er zum Skizzenbuch und die ersten Entwürfe für die neue Wallfahrtskirche entstanden noch während der Fahrt. uk
… nicht durch heißen Wüstensand, sondern durch verlassene Hafenareale im etwas kühleren Norden. Eine Gruppe engagierter Architekten und Landschaftsarchitekten initiierte 2003 die erste Veranstaltung dieser Art, deren Ziel es ist, die sich verändernde Situation im und am Hamburger Hafen durch Kunstaktionen für einen kurzen Zeitraum ins Blickfeld zu rücken. Vor zwei Jahren durchstreiften die Teilnehmer das gerade für die HafenCity aufbereitete Bauland (das inzwischen schon zu einem Viertel bebaut ist!). Über Kleiner Grasbrook und Veddel (2004) wird dieses Jahr Harburg erkundet, dem Endpunkt der südlichen Entwicklungsachse im Rahmen der Hamburger Leitlinie »Wachsende Stadt«. Auf den geführten Entdeckungstouren vom 19. August bis 4. September bilden die Kunstwerke Wegmarken. Sie öffnen den Blick für Kontraste, Details und Atmosphären. Darüber hinaus erfahren die Hafensafari-Teilnehmer Wissenswertes über die Geschichte, aktuelle Politik und laufende Planungen rund um die Schlossinsel und den Binnenhafen. kr Weitere Informationen:
Nicht nur die Rhetorik hat sich geändert, von Libeskinds ursprünglichem Entwurf für das Gelände von Ground Zero in New York ist nach neuerlicher Überarbeitung der Pläne durch das Büro Skidmore Owings and Merrill SOM, New York, die am 29. Juni vorgestellt worden sind, kaum etwas geblieben. Vor allem aufgrund von Bedenken der New Yorker Polizei bezüglich der Sicherheit, ist der bereits mehrfach überarbeitete Libeskind Entwurf nun in wesentlichen Teilen nochmals geändert worden. Im unteren Bereich des Gebäudes sind jetzt massive bauliche Abwehrmaßnahmen gegen Bombenanschläge vorgesehen: Etwa ein Meter dicke Betonwände schützen den 30 Meter hohen, fast fensterlosen Sockelbereich; der Sicherheitsabstand zur West Street hin wird außerdem auf gut 30 Meter erhöht. Das Gebäude lässt sich nun zwar als das »sicherste der Welt« anpreisen – was an diesem Standort für eine erfolgreiche Vermietung wichtig ist und auch seine Berechtigung hat – der symbolträchtige Entwurf von Daniel Libeskind ist dabei allerdings auf der Strecke geblieben. Dazu gehört die vorgesehene Gebäudehöhe von 1776 Fuß (rund 541 Meter), die an die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 erinnern sollte. Gestrichen wurden auch die asymmetrischen Spitzen und die Windmühlen auf dem Dach, die Antenne ragt nun wieder brav aus der Gebäudemitte empor. Dafür soll es eine Aussichtsplattform etwa in der Höhe des alten World Trade Centers von 411 Metern geben. Mit einer Fertigstellung des Gebäudes rechnen Experten früh- estens 2010. uk
Die Brandenburgische TU Cottbus bietet zum WS 2005/06 erstmals den Master Studiengang Architekturvermittlung an. Der viersemestrige Studiengang wendet sich an alle, die sich auf der Basis eines abgeschlossenen Fachstudiums auf die visuelle Vermittlung von Architektur und Stadt an die Öffentlichkeit vorbereiten wollen. Weitere Informationen: www.tu-cottbus.de
77 Kommunen aus dem Bundesgebiet haben sich in diesem Jahr am Wettbewerb »Energiesparkommune« beteiligt, der erfolgreiches Energiemanagement, kreative Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit, innovative Förderprogramme und den Zielen des Klimaschutzes dienende Stadtplanung auszeichnet. Sieger der Kategorie über 100 000 Einwohner wurde München. Die badische Stadt Rastatt (50 000 Einwohner) gewann in der »Mittelklasse«, die Auszeichnung der Teilnehmerklasse unter 20 000 Einwohnern ging an die hessische Großgemeinde Wettenberg (12 500 Einwohner). Informationen zum Wettbewerb, zu den Teilnehmern, den Siegern sowie Auszüge der Begründungen der Jury unter: www.solarbundesliga.de
Der Berliner Kunsthistoriker und Architekturjournalist Christian Welzbacher erhält für seine Dissertation »Staatsarchitektur der Weimarer Republik«, die Ende des Jahres publiziert wird, den Theodor-Fischer-Preis 2005. Die Arbeit handelt von den wichtigsten Bauten, die im Auftrag verschiedener Institutionen des Deutschen Reichs während der Weimarer Republik entstanden sind. Der Preis wird jährlich vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München für herausragende Forschungsarbeiten zur Architekturgeschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts vergeben.
Das Institute for Advanced Architecture of Catalonia, Barcelona, lobt im Rahmen seines Masterstudiengangs einen internationalen Wettbewerb zum Thema energieautarke Einzel- und Mietshäuser aus, an dem auch Studenten teilnehmen können. Alle Unterlagen müssen digital eingereicht werden. Einsendeschluss: 19. September, weitere Informationen: www.iaacat.com
Seit Einführung des iF concept award 1953 fördert der iF International Forum Design Nachwuchsdesigner. Die Preise werden in zwölf verschiedenen Kategorien der Bereiche Produktdesign und Architektur vergeben. Einsendeschluss: 15. September, weitere Informationen: www.ifdesign.de
Die Regierung der Republik Korea plant südlich von Seoul eine Stadtneugründung, in der die zentralen Verwaltungsorgane des Staates zusammengeführt werden sollen. Gewünscht werden »innovative städtebauliche Konzepte für eine globale Stadt«. Abgabetermin: 25. Oktober, weitere Informationen: www.competition.macc.go.kr
Das Ziegel Zentrum Süd e.V. (Nachfolgeorganisation des Ziegelforums), schreibt den Architekturpreis 2005 mit einem Sonderpreis für Projektbeiträge zur Hochschularbeit aus. Prämiert werden Bauten, die vorwiegend mit dem Baustoff Ziegel errichtet worden sind. Einsendeschluss: 30. September, weitere Informationen: www.ziegel.com
»Architekturen sehen lernen« heißt ein Workshop der Universität Zürich, die mit diesem Kurs ihr Weiterbildungsangebot im Bereich Architektur fortsetzt. Einsichten in den komplexen Zusammenhang von großstädtischer Architektur und literarischem Blick sollen vermittelt werden. Weitere Informationen: www.weiterbildung.unizh.ch
Das niederländische Institut SHR Hout Research veranstaltet am 15. September in Nordrhein-Westfalen einen Tag der offenen Tür. Mitarbeiter der Holz verarbeitenden Branchen können sich über Angebote des Instituts u. a. zu den Themen Holz und Holzwerkstoffe, Oberflächenveredelung und Holzschutz informieren. Anmeldung/Informationen: www.shr.nl