Zeichnung: Stadt Köln, Urban Media Project

Zeitschichten

Über 2 000 Jahre Geschichte, mehr als 7 Mio. Besucher pro Jahr, 6 Großbauprojekte: Beeindruckende Zahlen für die 800 m lange Kulturzone »Via culturalis« in Köln, die gegenwärtig zwischen dem Hohen Dom und der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol entsteht und die trotz der Superlative bisher ein städtebauliches Schattendasein führt. Immerhin erörterte die Bundesstiftung Baukultur Mitte Mai in der Baukulturwerkstatt »Infrastruktur und Elemente öffentlicher Räume« die Potenziale dieses fragmentierten Stadtviertels.

Bereits im Jahr 1999 erfand Oswald Mathias Ungers den Begriff der Via culturalis, die die Zeitspuren rund um das Kölner Rathaus (auf der Abb. Mitte rechts), den Gürzenich, das Wallraf-Richartz-Museum und das jüdische Viertel sichtbar machen soll. Der Ratsbeschluss für ein Werkstattverfahren aus dem Jahr 2005 wurde mit Blick auf die laufenden Planungen für das Jüdische Museum MiQua zurückgestellt. Im Jahr 2009 verlieh der Masterplan von Albert Speer + Partner dem Projekt eine neue Dynamik, die 2013 durch ein Workshop-Verfahren und insbesondere 2015 durch 7,2 Mio. Euro aus dem Bundesförderprogramm »Nationale Projekte des Städtebaus« weiter Fahrt aufnahm.

Die geplante Aufwertung des Stadtraums zu einem kulturellen Zentrum mit weitreichender Ausstrahlung machte die Stadt Köln in einem Handbuch publik, das auch den Beteiligungsprozess mit Workshops und Netzwerktreffen dokumentiert. Rechtzeitig vor der Fertigstellung der sechs kulturellen (blau) und gewerblichen Großbauten – »Historische Mitte mit Stadtmuseum«, Archäologische Zone/MiQua, Erweiterung Wallraf-Richartz-Museum, Fondation Corboud, Sanierung des Domhotels, Neuentwicklung des Laurenz-Carrés und Neubau der PSD-Bank – formuliert es ein Freiraumkonzept, über das der Stadtentwicklungsausschuss am 4. Juli entscheiden wird. Während der Baukulturwerkstatt wurde in Diskussionen und einem Stadtspaziergang untersucht, wie die Landschaftsarchitekten von RMP Stephan Lenzen den Flickenteppich der Altstadt aufräumen wollen: Zentrale Elemente der stufenweisen Neugestaltung sind ein durchgehendes Grauwacke-Pflaster und eigens entworfenes Stadtmobiliar. An einem 1:1-Anwendungsbeispiel werden die Gestaltungsmittel außerdem mit allen technischen Anforderungen im Straßenraum ausprobiert – eine Idee, die sich auch in anderen Kommunen gut machen würde. Von dort kamen Impulse zurück: Die Kölner Baukulturwerkstatt diskutierte auch neue Mobilitätskonzepte und nachhaltige Parks, etwa den Baakenpark in der HafenCity oder die Ortenaubrücke in Lahr.

~Bettina Schürkamp