Was ist »a. R. d. T.«?

Wie baut man richtig? Eigentlich klar, oder? Aber ändert sich die Definition im Lauf der Zeit? Welche Bautechniken sind noch zu neu, welche überholt, aber nicht falsch? Ist eine DIN-Norm per se schon eine »anerkannte Regel der Technik«? Um diesen Komplex drehte sich dieses Jahr der Schwerpunkt der 42. Aachener Bausachverständigentage. Sachverständige, Bautechniker, Richter und der ehemalige Leiter des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) stellten ihre Sicht auf diese Fragen dar. Und die Antwort ist: Letztlich kann das nur in der täglichen Auseinandersetzung entschieden werden. Eines wurde auch klar: DIN-Normen zur Ausführung sollen zur Entwicklung von »a.R.d.T.« beitragen und beschreiben, was sinnvollerweise getan werden sollte – und nicht, was getan werden muss.

Welch absurde Blüten der Bezug auf noch nicht etablierte Normen und die mangelnde Sachkenntnis von Gerichten treiben kann, zeigte eine Klage auf Rückabwicklung eines Kaufvertrags für eine Eigentumswohnung. Die Käufer empfanden den Schallschutz am Balkon als mangelhaft, obwohl er das nicht war – weil die Sicht durch einen Neubau verstellt wurde. Was wohl das eine mit dem anderen zu tun hat? Den Klägern jedenfalls wurde recht gegeben, sogar vom Oberlandesgericht. Daraus folgten u. a. die Fragen, ob Schallschutz für Balkone überhaupt definiert ist (Antwort: jetzt ja, in der VDI-Richtlinie 4100) und wie Schallschutzstufe II oder gar III zu erreichen ist (sehr, sehr aufwendig) – und welche Informationen Sachverständige Richtern zur Verfügung stellen sollten, damit diese ein sinnbehaftetes Urteil fällen können.
Weitere aktuelle Themen wurden berührt: u a. die Abwägung, ab welcher Schadensgröße eine ganze Fassade neu verputzt werden muss, wie mit Schimmel umzugehen ist (physikalische Desinfektion ist auch eine Möglichkeit) und ob die Verschärfung der EnEV überhaupt noch die Wirklichkeit trifft oder ob es nicht eher darum gehen muss, endlich den Bestand vernünftig energetisch zu ertüchtigen. Der Tagungsband mit sämtlichen Vorträgen erscheint im Spätherbst beim AIBau.
Wie immer war die Veranstaltung mit rund 1 500 Teilnehmern extrem gut besucht, man nahm mehr als genügend Input für das kommende Jahr mit, die Sonne schien und die Verpflegung war exzellent. Auf nächstes Jahr! ~dr