Warum jetzt, warum hier?

~Pertti Solla

Die Guggenheim-Stiftung hatte für die Zeit vom 25. April-16. Mai die Kunsthalle in Helsinki gemietet und bot dort den Einwohnern eine Gratisausstellung mit den sechs Vorschlägen der zweiten Phase des Architekturwettbewerbs für das Guggenheim Helsinki. Das Grundstück dafür befindet sich im historischen Stadtzentrum am Südhafen (s. auch db 7-8/2014, S. 11). Im Dezember 2014 wählte das Preisgericht aus 1 715 eingereichten Vorschlägen diese sechs aus. In der Ausstellung muss man sich wundern, warum diese Vorschläge nicht weiterentwickelt worden sind, wie man bei der ersten Entscheidung versprochen hatte. Es sind nur sauberer gezeichnete, wandgroß vergrößerte Perspektiv- und sonstige Farbbilder zu sehen, aber keinerlei inhaltliche Entwicklung. An dem Stadtmodell, über dem die Vorschlagsmodelle schwebend aufgehängt wurden, kann man sehr deutlich sehen, dass keiner der sechs sich an die vorhandene Stadtstuktur anschließen und sie vervollständigen kann. Die Merkmale der Stadt, wie die historische Sternwarte, das Straßennetz und angrenzende Parkräume, kann keiner der Entwürfe einbinden.
Die Ausstellung wurde von Programmpunkten wie »Guggenheim Helsinki now«, »Roundtable Difference and Repetition« begleitet. Die Guggenheim-Stiftung importiert zu diesen Veranstaltungen internationale Stararchitekten, die mit den hiesigen und den Vertretern des Architekturmuseums öffentlich diskutierten.
Viele Architekten und sonstige Sachverständige der Stadtplanung sind mit mir einig: Das schnell von der Stadtverwaltung ausgewiesene Grundstück eignet sich nicht für das Museum. Alle 1 715 Wettbewerbsvorschläge beweisen, dass man mit dem Wettbewerb eine unlösbare Gleichung zu lösen versucht.
Zurzeit wird der neue Generalplan 2016 der Stadt Helsinki vorbereitet. Das Südhafen-Gebiet wird als Teil des Zentrums und der öffentlichen Räume entwickelt und an sie angeschlossen. Aus welchen Gründen wird jetzt der Architekturwettbewerb des Guggenheim-Museums ausgerechnet im Südhafen veranstaltet? Nicht aus eigenem Interesse der Stadt, sondern weil das Museum diese Stelle in Helsinki besetzen will. Trotz heftiger Diskussionen beschloss die Stadtverwaltung einfach, dieses wertvolle Grundstück der Guggenheim-Stiftung umsonst als Spielwiese zu geben. Dazu soll die Stadt Helsinki die Baukosten von schätzungsweise 100 Mio. Euro tragen und jährlich noch Hunderttausende für Lizenzgebühren bezahlen. Die Entscheidung im Wettbewerb soll am 23. Juni fallen.