Versprechen an Europa

2004 ging es noch um die Aufwertung eines undefinierten Zwischenraums, eines Überbleibsels aus der Nachkriegszeit, der als Parkplatz genutzt wurde. Ein interdisziplinäres Symposium kam zu dem Ergebnis, der Platz sei nicht zu reparieren, so die Erzählung auf der Website. Was macht man also damit? Eine Kunstinstallation. Inspiration lieferte dem verantwortlichen Künstler Jochen Gerz ein Besuch in der angrenzenden Christuskirche, in der ein Mosaik mit den Namen von 28 Ländern hängt, die 1931 in Deutschland als »Feindstaaten« galten. Ähnlich, aber viel dichter gedrängt, stehen nun die Namen von 14 726 erklärten Europäern auf den Steinplatten auf dem Platz vor der Kirche. Sie beziehen sich in ihren Abmessungen auf das Bodenmaß der Kirche und bestehen aus armenischem Basalt, der sich für das Vorhaben als am geeignetsten erwies. Die Buchstaben wurden 10 mm tief eingraviert und mit mattweißem Epoxidharz ausgefüllt. Die erste Platte wurde in der Kirche verlegt, die restlichen auf dem Platz verteilt, der in diesem Zuge von soan architekten aus Bochum und dem Lichtdesigner Laurent Fachard umgestaltet wurde.

Nach wiederholtem Bangen um die Finanzierung wurde der »Platz des Europäischen Versprechens« nach 12 Jahren im vergangenen Dezember endlich eingeweiht, und auch schon im Vorfeld kamen die Versprechensgeber vorbei, um ihren Namen zu suchen. Sie stehen für individuelle Versprechen an Europa – außer den Teilnehmern selbst weiß allerdings niemand, worin diese bestehen. ~dr