Denkmal Köln-Dünnwald

Verratet den Krieg

Während der NS-Zeit wurden geschätzt 20 000 bis 30 000 Angehörige der Wehrmacht zum Tod verurteilt. Und sogar nach 1945 galten die Opfer der NS-Militärjustiz weiterhin als Feiglinge oder Verräter. Ihre Familien wurden oftmals diskriminiert und erhielten keine Hinterbliebenenrente. Erst in den Jahren 1998, 2002 und 2009 erklärte der Deutsche Bundestag die NS-Urteile gegen Kriegsdienstverweigerer, Wehrmachtdeserteure und sogenannte Wehrkraftzersetzer und Kriegsverräter für nichtig. Für die Opfer der NS-Militärjustiz wurde im September am Kalkweg im Kölner Dünnwald ein Denkmal eingeweiht. An diesem Ort befand sich seit 1899 ein Schießplatz für das preußische Militär, noch heute erkennbar an Erdwällen, die die Schießstände voneinander trennten, und einer Kugelfangmauer. Wie in anderen Städten wurden hier während der Nazizeit auch Todesurteile des Militärs vollstreckt.

Das Denkmal besteht aus einer schlanken quadratischen Metallstele, in die ein Zitat von Ludwig Baumann (1921-2018), Vorreiter für eine Rehabilitierung der als Verräter Verurteilten, gesetzt ist: »Was kann man Besseres tun, als den Krieg zu verrraten?« Auf dem Sockel informiert ein Text über den historischen Ort. Der Entwurf stammt von Ruedi und Vera Baur. Ruedi Baur hatte bereits 2009 das Denkmal für die Opfer der NS-Justiz am Kölner Appellhofplatz realisiert, dessen Formensprache das neue Denkmal in Dünnwald aufgreift. ~dr