Stuttgarter Hauptbahnhof: Es geht ans Eingemachte

~Der Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs wird seit heute rückgebaut. An sich ist das alleine noch keine Meldung wert. Allerdings handelt es sich beim Bahnhofsgebäude um ein hochrangiges Baudenkmal und beim Abriss des Seitenflügels um das erste sichtbare Zeichen einer tiefgreifenden Umgestaltung, nicht nur des Bahnhofs, sondern gleich der gesamten Bahnstruktur rund um die baden-württembergische Hauptstadt. Gegen beides erhebt sich in der Bevölkerung seit geraumer Zeit ungebrochener Widerstand. Die Gründe dafür sind Legion und lassen sich nicht zusammenfassend darlegen. Der Kern liegt jedoch darin, dass die politisch Verantwortlichen mit großer Hingabe den Eindruck vermitteln, Demokratie sei gleichbedeutend mit der Diktatur der Gewählten.
Seit, Mitte 2007, bekanntgegeben wurde, dass der vor bereits anderthalb Jahrzehnten gefasste Beschluss zur Neuordnung der Bahntrassen zwischen Stuttgart und Ulm keine Karteileiche, sondern ein konkretes Planungsziel ist, werden Fragen gestellt. Fragen nach der Wirtschaftlichkeit, Fragen nach städtebaulichen Zielen, Fragen der Sicherheit, Denkmal-, Naturschutz usw. Die Antworten dazu bestehen aus den immergleichen Werbefloskeln. Wolkig ist von Magistralen, Visionen, Zukunft gestalten die Rede – Konkretionen dazu gibt es kaum. Angebote zur Diskussion werden nicht angenommen. Diese starre Haltung der Projektverantwortlichen und die kategorische Weigerung, 61.000 Bürger (Bürgerbegehren 2007), um die 20.000 Demonstranten (letzten Freitag auf dem Schlossplatz) und inzwischen 37.000 Unterzeichner einer Forderung nach einem Moratorium (Stuttgarter Appell) zu hören, befeuern derzeit die Lust am Aufbegehren. Beim Thema Stuttgarter Hauptbahnhof geht es inzwischen nur noch am Rande um ein Denkmal, um Städtebau, um Verkehrswegeplanung – es geht um Baukultur, es geht um politische Kultur, es geht ums Eingemachte.
Bahnprojekt Stuttgart-Ulm e.V. »
Planungsalternative »K21« »
~Achim Geissinger