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Foto: Christine Aust-Bendele

Städte für eine neue Gesellschaft

»Wir sprechen Deutsch«, ist die unmissverständliche Haltung eines der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Der Plan, einem Architekturbüro in Stuttgart. Was bei einem deutschen oder schwäbischen Chef schnell wie aus der rückwärts gewandten Ecke wirken könnte, bekommt bei dem syrischen Stadtplaner Bakri Hassoun einen ganz anderen Klang. In dem 2018 gegründeten Büro, das er zusammen mit dem Architekten Michael Bendele führt, arbeiten 11 Menschen, aus Südkorea, Serbien, Syrien, Deutschland, der Türkei und dem Iran. Hassoun begreift seinen Imperativ als die Integrationsleistung, die sein Büro übernehmen kann. Er hat u. a. in einem Doppel-Masterstudiengang Architektur in Damaskus und Nachhaltige Stadtentwicklung an der Universität Marne-la-Vallée bei Paris studiert und somit den Vergleich von gleich drei Kulturen. Aus Frankreich hat er den selbstverständlichen Anspruch mitgebracht, dass auf professioneller Ebene in der Landessprache kommuniziert wird – und eben nicht auf Englisch.

Auch Architektur und Stadtplanung können zur Integration beitragen. Hier, findet Hassoun, könne Deutschland (oder zumindest die Region Stuttgart) ebenfalls von Frankreich lernen.
So sei bei jedem neuen Wohngebiet ein bestimmter Anteil an Sozialwohnungen Pflicht. Frankreich habe hier mutig-selbstkritisch und verhältnismäßig schnell aus den Problemen in den Banlieues gelernt – und auch dort stadtplanerisch mit relativ einfachen Maßnahmen gegengesteuert, wo die Architektur in der Vergangenheit, etwa mit den berühmten ringförmigen Wohnhochhäusern, die Segregation geradezu förderte. Die Integration aller gesellschaftlicher Gruppen im eigenen Büro wie in den Planungen ist eines der wichtigen Anliegen der Büroinhaber von Der Plan.

Bendele und Hassoun haben sich auf Wohnbau spezialisiert. Sie analysieren Grundstücke auf ihr maximales Bebauungspotenzial.
Dabei ergänzen sich der Stadtplaner und der Architekt hervorragend. Die beiden wissen, was für eine Art Quartier Kommunen heute wünschen, und ebenso, was die Bauträger und deren Kunden wollen.

Hier machen sie hoffnungsvolle Tendenzen aus. Neben den »klassischen« Wohnungen mit großen Wohn- und kleinen Kinderzimmern entwickelt das Büro derzeit kompakte und sehr gut verdichtbare »loftartige« Reihen-/ Stadthaustypen, die gewandelten urbanen Wohnbedürfnissen entsprechen.

Dass dichter gebaut werden muss, ist für Hassoun unzweifelhaft. Nur so könne dem sich in den Ballungszentren abzeichnenden Verkehrsinfarkt entgegengewirkt werden.
Die IHK Region Stuttgart etwa konstatierte in ihrem Paper »Fachkräftemangel bremst Beschäftigungsaufbau« 100 000 fehlende Fachkräfte für 2019. Für 2030 prognostiziert sie gar eine Zahl von 151 000, was einem Anteil unbesetzter Stellen von 14 % ent-spricht. Genügend attraktive Wohnmöglichkeiten wären dabei ein Schritt in die richtige Richtung. ~dr

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