Stadt – Schule – Quartier

»Bildungsbauten im Umbruch« lautete der Untertitel der diesjährigen Internationalen Städtetagung, die das Forum Stadt im Mai in Schwäbisch Gmünd ausrichtete. Die alte Stauferstadt befindet sich in einem Wandlungsprozess, deren sichtbarstes Zeichen die neue grüne Anbindung der Stadt an den Bahnhof ist, Ergebnis der Untertunnelung der Bundesstraße und Erbe der gelungenen Landesgartenschau 2014. Doch auch die Innenstadt selbst wird einer Erneuerung unterzogen, worauf die Stadt als »eine der am meisten verschuldeten Städte ihrer Größe in Baden-Württemberg« (Baudezernent Julius Mihm) zu Recht stolz sein kann.

Im Auftaktvortrag schlug die Architekturhistorikerin Kerstin Renz den Bogen vom alten Griechenland bis zu den 1970er Jahren – aus dieser Gruppe stammen die jüngsten denkmalgeschützten Schulbauten – und zeigte, dass der Zeitgeist über die Jahrtausende mal die introvertierte Randlage, mal die aktive Rolle im Stadtzentrum verlangte. Heute ist beides gefragt: Die Ganztagsschule muss einen geschützten, familiären Ort bieten, gleichzeitig sollten die Schüler rund um die Schule ein ganzes Netz an Anlaufstellen haben, angefangen von einem Pausenhof außerhalb der Schule – weil der ursprüngliche Hof in manchen gezeigten Beispielen durch Erweiterungsbauten oder bauliche Mängel einfach weggefallen ist – und zu guter Letzt sollen auch die Nachbarn die Möglichkeit haben, die Flächen zu nutzen. Nichts Neues eigentlich, neu daran ist, die Bedürfnisse der Kinder (und ihrer Familien) in den Mittelpunkt zu stellen und die Erkenntnis, wie viele Akteure zusammenkommen müssen, um dem gerecht zu werden. Immer wieder war daher die Rede von der »Phase Null«, der umfassenden Vorbereitung – laut Schulberater Urs Maurer liegen die Kosten dafür je nach Schulgröße zwischen 10 000 und 100 000 Euro. Weder genug Geld noch Zeit für Phase 0 hat allerdings die Leipziger Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau: Die Bevölkerung der Stadt wächst unerwartet schnell, die Behörde hechelt dem alle zwei Jahre nach oben korrigierten Bedarf hinterher, und der notwendigen raschen Entwicklung grätscht auch mal die Kirche als Grundstücksbesitzerin dazwischen.
Abgerundet wurden die spannenden zwei Tage durch die Verleihung des Otto-Borst-Preises, dieses Jahr an wissenschaftliche Werke. Dabei ging es um den Wiederaufbau Hanaus 1945-69 – eine 700-seitige Dissertation, die laut Jury eine große Lücke in der Forschung schließt –, um die Wandlung der Innenstadt von Byblos (Libanon) zum Nightlife-Zentrum und um die Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich bezahlbarem Wohnen in Weimar, Tübingen und Marburg. ~dr