Schönheit aus Licht und Wasser

»Wir gehören einer aussterbenden Spezies an«, sagt Renzo Piano an einer Stelle im Film zu Regisseur Carlos Saura. Dieser hat das Entstehen des Museums Centro Botín im kantabrischen Santander (unweit Bilbao) seit der Vorstellung der ersten Entwürfe in Pianos Building Workshop begleitet.

Dem Regisseur im fertiggestellten, aber noch nicht eingeräumten Gebäude gegenübersitzend, erläutert der Architekt seine Herangehensweise an ein Projekt: dass er sich einige Tage am Ort aufhalte, um zu erspüren, welche Formen und Schwingungen dort eingeschrieben sind und ausgedrückt werden wollen, dass es um Schönheit, Harmonie und Kunst gehe und dass das Licht – noch verstärkt durch die Reflexion auf dem Wasser – für ihn der wichtigste Baustoff sei. Immer wieder betont er, dass ein Bau ein kleines Wunder sei (wie übrigens auch ein Film oder ein Foto), insbesondere der Punkt, an dem man plötzlich feststelle, dass aus dem Entwurf ein Gebäude geworden sei.

Bei alldem vergisst Piano nicht die Anforderungen der realen Umsetzung – oder doch? Die jungen spanischen Kolleginnen, die den Bau aus großformatigen Stahltragwerken, viel Glas und 270 000 runden Keramikfliesen an der Fassade Wirklichkeit werden lassen, sprechen höflich davon, dass es eine Herausforderung sei, die Baustelle zu planen, während durch Änderungen in letzter Sekunde ein »ganz anderes Gebäude« entstehe. Immerhin bleibt der Bauherr ganz entspannt und erklärt, es sei wohl etwas zu ambitioniert gewesen, die Eröffnung auf 2014 festzulegen, während zum Schluss der Erzählung das Gebäude im Juli 2017 mit Bürgerfest und Feuerwerk eingeweiht wird. Die Stadtbevölkerung einzubeziehen, lernte Piano seinerseits nach eigener Aussage als junger Mann von Roberto Rossellini, der ihm beibrachte, darauf zu achten, welche Regungen Menschen beim Anblick von Architektur zeigen.

So schließt sich der Kreis: Auch wenn immer und immer wieder Kosten und gefährdete Termine thematisiert werden, versuchen die jungen Kollegen Pianos Vorstellung von Schönheit gerecht zu werden – und so die Spezies »Architekt als Künstler« dann doch noch etwas länger zu erhalten.

Der Film läuft in den meisten beteiligten Kinos in der Woche 4.-10. April. In Reutlingen, Berlin, Hamburg und München wird die Aufführung am 4. April durch Gespräche mit Vertretern von Architektenkammern oder Hochschulen ergänzt, in Saarbrücken am 24. April. ~dr

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