Pariser Herz

10/11

Wie mehrere Präsidenten vor ihm will François Hollande den Parisern ein architektonisches Erinnerungsstück hinterlassen – noch knapp vor Ende seiner Amtszeit. Allerdings ahnte er wohl nicht, dass er kein zweites Mal zur Wahl antreten würde, als er im Dezember 2015 einen Brief an Dominique Perrault und Philippe Belaval, den Verwalter der staatlichen Denkmäler, mit der Bitte um Vorschläge für eine Neugestaltung der Ile de la Cité schickte. Unter dem Titel »Le Cœur au Cœur – Das Herz im Herzen« ist das Ergebnis noch bis 17. April ebendort, in der Conciergerie, zu sehen.
Die Gegend, in der die Römer das Fundament von Lutetia legten, hat schon lange viel Qualität verloren. Große, nicht zugängliche Repräsentationsbauten wie das Krankenhaus Hôtel-Dieu, die Polizeipräfektur und der Justizpalast versperren den Blick. Autofahrer nutzen die Insel nur als Abkürzung und 15 Mio. Touristen drängeln sich übers Jahr vor Notre Dame, während nur noch ein Drittel der Wohnungen tatsächlich zum Wohnen genutzt wird. Die Qualitäten dieses zentralsten aller Pariser Orte wieder sichtbar zu machen, ist das Ziel der Vorschläge von Perrault und Belaval. Öffnung heißt dabei das Zauberwort – von den Uferzonen über die Innenhöfe der Großbauten bis zum Platz vor Notre Dame. Durch einen gläsernen Belag sollen hier etwa die bis zu 2 000 Jahre alten Mauerstücke zu begutachten sein. Insgesamt 35 Maßnahmen sind es geworden, bis 2040 könnten sie umgesetzt worden sein. Besucher der Ausstellung können außerdem die Vorschläge bewerten und eigene einbringen. Ob sie einbezogen werden oder nicht, ist nicht wichtig – die Finanzierung steht ohnehin noch nicht, und es bleibt abzuwarten, was der neue Präsident von dem Projekt umsetzt. ~dr