Mehr Baukultur

Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur konnte ein kleines Referat für Baukultur durchboxen und zelebrierte diese Errungenschaft mit der pompösen Verleihung des ersten Staatspreises Baukultur Baden-Württemberg. Man darf sich getrost darüber wundern, dass dergleichen in einem doch verhältnismäßig gut situierten Bundesland so lange auf sich hat warten lassen. Man darf sich aber dennoch darüber freuen, wenn die Politik die Ebene der wohlfeilen Sonntagsreden hinter sich lässt und ernsthaft nach Erkenntnis sucht, wie gesellschaftliche Fragen anzugehen sind – und dazu gute Beispiele nennt: etwa das Johanneum in Tübingen [2], realisiert von Patzner Architekten mit Olaf Kiel und Bettina Klinge Architekten, Stuttgart. Die Jury lobte die differenzierte Gestaltung u. a. der Topografie, die »intelligente Disziplin« und die »unaufdringliche Symbolkraft« des resultierenden Ensembles.

Eine weitere der insgesamt acht Kategorien widmete sich öffentlichen Räumen. Ausgezeichnet wurde der Schlossplatz in Schwetzingen [3] nach dem Entwurf von Mann Landschaftsarchitektur, Fulda. Nach der Umleitung des Verkehrs und der Einführung von »Shared Space«-Flächen sei der historische Zusammenhang ganz neu zu erleben, hoben die Preisrichter hervor, und der Platz wieder ein lebenswerter Ort geworden.
Die ausgezeichneten Projekte sind in der Fachschaft großenteils nicht unbekannt – quasi alte Bekannte. Wenn es die Landesregierung nun aber schafft, die Qualitäten öffentlich zu diskutieren und v. a. in Wirtschaftszirkeln publik zu machen, ist viel gewonnen. ~ge/dr