Max_Baecher, 30.9.2009
Foto Claus Voelker
Nachruf

Max Bächer (1925-2011)

~Amber Sayah

Am 11. Dezember 2011 ist Max Bächer 86-jährig in Darmstadt gestorben – als letzter einer Generation von Architekten, die 1945, kaum volljährig, aus Lazaretten und Internierungslagern zurückgekehrt war. So kam auch Max Bächer in die Ruinen seiner Heimat Stuttgart zurück, entschlossen, sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen. Der kam 1946, als er sein Studium an der Stuttgarter TH aufnahm, v. a. aus Amerika. Vor Ort lernte er die Bauten von Neutra, Kahn und Mies van der Rohe kennen. Welche Spuren das hinterließ, sieht man am besten am Haus Windstoßer: eine Stuttgarter Ikone, die mit großen Glasscheiben und weit auskragendem Dach über dem Talkessel schwebt.
Später plante er zusammen mit Kammerer und Belz den Kleinen Schlossplatz. Dieser – inzwischen ersetzt – war nicht die Insignie der Zukunft, als die er anfangs gefeiert wurde, sondern hauptsächlich Deckel für ein gigantisches Verkehrsbauwerk. Diese Bausünde hat Bächer im Alter freimütig eingeräumt, und vielleicht waren es die eigenen Irrtümer und gesellschaftlichen Holzwege, die ihn mit Skepsis gegen Fortschrittsideologien impften.
Ausdruck fand diese in seinem Nachdenken und Schreiben über Architektur. Kein praktizierender Architekt hierzulande konnte so geschliffen und leidenschaftlich über Entwicklungen und Fehlentwicklungen im Bauen streiten wie er. Das gebaute Werk bleibt überschaubar, seine Aufsätze, Essays und Vorträge füllen Regale. Von eminenter Bedeutung war auch sein Wirken als Juryvorsitzender in nahezu sämtlichen wichtigen Wettbewerben der Republik ebenso wie seine 30-jährige Lehrtätigkeit als Professor in Darmstadt. Seine Stimme wird fehlen – nicht nur in der Architekturdebatte.