Manfred Sack (1928-2014)

~Jürgen Tietz

Mit Manfred Sack, der am 4. Oktober im Alter von 86 Jahren gestorben ist, verliert die deutschsprachige Architekturkritik nicht nur eine ihrer profiliertesten Stimmen, sondern zugleich eine ihrer liebenswürdigsten.
Geboren 1928 in Coswig (Anhalt), studierte Sack nach dem Zweiten Weltkrieg an der Freien Universität in Berlin – nein, eben nicht Architektur, sondern Musikwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte über den fränkischen Komponisten des Frühbarock Heinrich Pfendner. Derart mit kulturhistorischem Weitblick ausgestattet, konnte Sack in seinen Architekturkritiken aus einem sich stets mehrenden Fundus schöpfen. Seine pointierten Architekturanalysen verband er mit einer lebendigen Schilderung der gebauten Umwelt. So galt er ganz zu Recht als Doyen der deutschen Architekturkritik, der sich nie im beschreibenden Einerlei verlor, sondern klug erläuterte und dabei Position bezog. Sein wichtigstes Medium war dabei die Wochenzeitung »Die Zeit«, für die er zwischen 1959 und 1997 schrieb.
Selbst in kritischen Beiträgen wahrte Sack stets eine Empathie, eine wohlmeinende Menschlichkeit und einen Humor, die ihn auch im persönlichen Gespräch auszeichneten. Mit scheinbarer Leichtigkeit sind dabei zahllose brillante Architekturfeuilletons entstanden, gedankliche und sprachliche Glanzstücke. Das brachte ihm u. a. den Kritikerpreis des BDA (1976) und den Deutschen Preis für Denkmalschutz (1980) ein. Zudem war er seit 1977 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
Von den zahlreichen Büchern, die Sack im Lauf der Jahre über Architekten, Häuser und Landschaften geschrieben hat, sei nur eins besonders hervorgehoben, der Sammelband »Verlockungen der Architektur« (Quart Verlag 2003). Er gibt einer Reihe von Sacks schönsten Texten eine Heimat zwischen zwei Buchdeckeln. Darin beschreibt er auch in der für ihn so charakteristischen Bescheidenheit, was er als seine wichtigste Aufgabe als Architekturkritiker sieht, nämlich die Wissbegier seiner Leser zu wecken »und ihnen das Gefühl zu geben, sie hätten ihre Lesezeit nützlich verbracht«.
Das haben wir – bei jedem Ihrer Texte. Vielen Dank, Manfred Sack!