Leben einer Architekturikone

Irgendwie hat sich jeder das Haus Tugendhat ein bisschen angeeignet, erst recht nach der Restaurierung (s. db 1-2/2013, S. 116). Dass es andererseits mit der Familie verwachsen ist, die es ab 1930 nur acht Jahre bewohnen konnte, zeigt ein Film, schlicht »Haus Tugendhat« benannt, der ab 30. Mai in die Kinos kommt. Interviews mit Tugendhat-Kindern und -Enkeln zeigen die persönliche Sicht jedes Einzelnen auf das Haus, die von enger Verbundenheit bis zu abgeklärter Distanz reicht. Ihre besondere Wirkung entfaltete die Architektur jedoch nicht nur in der Familie, sondern auch unter den Kindern, denen es nach dem Krieg als Sanatorium diente: »Ich durfte dort sein«, sagt eine, andere »man war wie verzaubert«. Der Film bindet selbstverständlich auch den geschichtlichen Hintergrund und die Restaurierung ein, doch der Fokus liegt auf der emotionalen Bedeutung des Hauses und ergänzt damit das, was jeder zu wissen glaubt, um eine bedeutsame Komponente. ~dr