Kultkachel

Schön aber unpraktisch, unpraktisch aber Kult – so könnte man die Fassadenelemente der Kaufhauskette Horten umschreiben, die in den 60er und 70er Jahren für das unverwechselbare Aussehen der Warenhäuser sorgten. Jeder kennt diese Struktur, die sich aus der Reihung der Kacheln – seien sie aus Aluminiumguss oder aus Keramik – ergibt, die ein stilisiertes H darstellen. Sowohl Egon Eiermann als auch HPP entwickelten damals eine ähnliche Lösung, der schon bald zum Verhängnis wurde, dass sich Tauben in den Hohlräumen sehr wohl fühlen und in der Folge die Fassaden unbeholfen mit Netzen verhängt wurden. Im Zuge der energetischen Sanierungen dieser Fassaden werden die Kacheln nun entfernt – letztes Beispiel ist der Bau in Krefeld von 1970, wo eine »Hortenkachel« von HPP zum Einsatz kam. Doch da sie Inbegriff der Wirtschaftswunder-Warenwelt ist, gibt es genug Fans, die gut erhaltene Kacheln als Designobjekt erstehen – und teilweise bei eBay weiterverkaufen, wie vor zwei Jahren in Schwäbisch Gmünd geschehen. Der Verein »Impuls Krefeld« hat vor, demnächst rund 100 Kacheln, die nicht eingemauert, sondern in einem Rahmen montiert wurden, sorgfältig entfernen zu lassen, um sie anschließend zu versteigern. ~dr