Vorreiter der Lichtinnovation mit ikonenhaften Leuchten zwischen Gebrauchs- und Kunstobjekt

Ingo Maurer (1932-2019)

Ingo Maurers Designs für Leuchten und Lichtobjekte gelten als wegweisend. Zu seinen bekanntesten Entwürfen gehören sein Erstlingswerk »Bulb« (1966), das Niedervolt-Halogen-System »YaYaHo« (1984), die geflügelte Glühbirne »Lucellino« (1992), die Pendelleuchte »Zettel’z« (1997), »One From The Heart« (1989) und »Porca Miseria!« (1994). Seine Entwürfe finden sich in den Sammlungen der wichtigsten Museen der Welt, darunter im Museum of Modern Art in New York. Aktuell ist eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München in Vorbereitung, die ab November Einblicke in sein Werk vermittelt. Maurer hat zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und den Compasso d’Oro für sein Lebenswerk.

In der Entwicklung und Verwendung von Lichtinnovationen war Ingo Maurer stets Vorreiter: Als Verehrer der Glühbirne, die er als »ideale Symbiose von Poesie und Technik« bezeichnete, setzte er in den 80er Jahren Niedervolt-Halogen-Systeme ein. Die erste LED-Schreibtischlampe produzierte Ingo Maurer dann im Jahr 2001, OLEDs verwendet er ab 2006. Bis in die Gegenwart wurde das Potenzial, das die LED-Technologie bietet, von Ingo Maurer immer wieder gefordert, vielseitig und kreativ im Sinne der bestmöglichen Lichtwirkung eingesetzt.

Nach einer Lehre als Schriftsetzer und einem Studium der Gebrauchsgraphik ging er 1960 in die USA, wo er bis 1963 als freier Grafiker tätig war. Anschließend lebte er in München und in New York.
Gemeinsam mit seinen langjährigen Mitarbeitern entwickelte er in der Designerei in München-Schwabing ikonenhafte Leuchten an der Schnittstelle zwischen Gebrauchs- und Kunstobjekt. Die besondere Mischung aus Poesie und Technologie, pointiert mit einem ironischen Augenzwinkern ist ein Merkmal, welches das Design Ingo Maurers auszeichnet. Kleinste Details wurden durchdacht und am Modell diskutiert. Im Ergebnis galt es, die besondere Lösung zu finden, die gleich einer spontanen Skizze durch ihre Leichtigkeit besticht und den Menschen berührt. Nicht selten werden Nutzer gleich beim Aufbau der Leuchte einbezogen und wie bei »Zettel’z« (1997) dazu eingeladen, die Leuchte mitzugestalten. »Zuerst entsteht in meinem Kopf die Idee von einem Objekt – wie ein Traumgebilde. Erst im nächsten Schritt suche ich gemeinsam mit meinem Team nach Wegen für die Realisierung. Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis die technischen Entwicklungen unsere Vorstellung möglich machen«, beschrieb er den kreativen Prozess. Um diese Vision kompromisslos umsetzen zu können, beschloss Ingo Maurer bereits 1966, selbst zu produzieren, sodass auch die Herstellung kleiner Serien möglich ist. Noch heute werden alle Leuchten in München gefertigt.

Mit Gestaltungsaufträgen im privaten wie öffentlichen Bereich setzte er international Zeichen. Die Beleuchtung der U-Bahn-Stationen »Westfriedhof« (1998) und »Münchner Freiheit« (2009) in München sowie das Pendel »Flying to Peace« für die Messe Frankfurt (2018) sind nur einige Highlights einer langen Liste an Auftragsarbeiten. 2018 schloss er eines seiner facettenreichsten Projekte ab – ein Gesamtkonzept für das Weingut Tsinandali in Georgien. Seit Samstag erstrahlt das Residenztheater München in neuem Licht, mit der »Silver Cloud« hat der Lichtkünstler ein weiteres ikonisches Werk erschaffen.

Ingo Maurer starb am 21. Okober im Alter von 87 Jahren in München.


Design or WhatAusstellung:
» Ingo Maurer Intim. Design or What? »
Pinakothek der Moderne
Die Neue Sammlung – The Design Museum
München
15.11.2019 ‐ 01.10.2020