Holz intensiv

Am Rand eines Walds bei Unterliezheim im Landkreis Dillingen an der Donau steht ein Holzstapel der besonderen Art: Der britische Architekt John Pawson hat hier eine kraftvolle Wegkapelle gebaut. Sie ist eins von sieben ganz unterschiedlichen Projekten, die seit letztem Jahr in diesem und im angrenzenden Landkreis Augsburg entstehen. Bauherrin ist die Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung, deren Gründer ein Holzhandelsunternehmen in Wertingen betreiben.

Die Kapelle besteht aus 12 m langen, kräftigen Douglasienstämmen, die vor Ort auf dem Betonsockel aufeinander gestapelt wurden.
An den 8 m schmalen Seiten sind sie mit vorgefertigten Elementen aus dicken quadratischen Hirnholzscheiben miteinander verbunden. Mit dieser Form entsteht im Innern ein langer Raum, in dem das Material Holz durch seine haptische und optische Präsenz sowie seinen Duft und seine spezielle Akustik den Besucher einfängt. Unterstützt wird die konzentrierte Atmosphäre durch das vorherrschende Halbdunkel: Nur wenig Licht fällt durch den Eingang, das quadratische Fenster in (Sitz-)Augenhöhe, Oberlichter und das zarte Kreuz, das mit gelbem Buntglas gefüllt ist. Mit der Zeit wird der Holzbau, jetzt schon unauffällig, wohl wie ein Dornröschenschloss überwachsen und wieder Teil des Waldes werden.

Wegen Vandalismus machen sich die Bauherren übrigens keine Sorgen: Die Unterliezheimer (und auch die Anwohner der anderen Kapellen) haben ein Auge darauf – außerdem, so der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Peter Fassl, in einem Bericht auf katholisch.de, könnte man nur noch große Mauern bauen, wenn man sich von solchen Gedanken leiten ließe. ~dr

www.johnpawson.com