Henning Larsen 1925-2013

~Nikolaus Bernau

Manchmal verstellt nur ein Werk eines Architekten den Blick auf das Gesamtœuvre. Wie im Fall von Henning Larsen, der am 22. Juni im Alter von 87 Jahren in Kopenhagen starb. Sein berühmtester Bau dürfte seit 2004 die Dänische Nationaloper sein, die auf einer Hafeninsel gegenüber dem Königlichen Schloss entstand. Finanziert von dem Besitzer des Transportunternehmens Mærsk, der auch den Architekten bestimmte. Ein Maßstabsbruch in jeder Hinsicht ist dieser Bau mit gewaltigem Schwebedach, riesiger Terrasse, breit gelagerter, gebogener Glasfassade. Erst im Foyer und im trotz aller Größe geradezu intimen, ganz traditionell geformten Saal enthüllen sich die Qualitäten.
Dänische Architektur hat seit den 30er Jahren den Ruf, freundlich und bürgerlich zu sein. Trotz des Funktionalisten Arne Jacobsen oder des ästhetischen und konstruktiven Dramas der Oper in Sydney von Jørn Utzon. Larsen, der schon 1959 nach dem Studium an der Architectural School in London und der ersten Arbeit u. a. bei Jacobsen sein eigenes Büro eröffnete, setzte als einer der wenigen auf die große Form. Noch der 2012 eingeweihte, kantige, mit der Glaswabenfassade von Olafur Eliasson umhüllte Konzertbau in Reykjavík ist eine solche Tat gewesen. Seine Architekturen sollten sichtbar sein, selbst wenn sie sich in einen historischen Kontext einfügen müssen wie in den der Ny Carlsberg Glyptothek, der er 1997 in einem Innenhof bei aller Beengtheit doch erfrischend klare neue Ausstellungsräume gab.
Seine streng geometrische Rationalität mit scharfen, winkligen Grundrissen und Fassaden, die zeigen, dass Effizienz und Rationalität auch künstlerische Form sein können, war für große Firmen wie Institutionen attraktiv. Großartig sind die dunklen Bürobauten am Hafen von Kopenhagen, das ziegelsteinerne Quartier für den »Spiegel« in Hamburg, die Bibliothek der Universität Rostock, die in der selben Stadt direkt am Hafen entstandenen Gebäude des Max-Planck-Instituts für Demografie. Dabei war Larsen kein Formenmagier wie sein Landsmann Jørn Utzon, wie der Unterschied zwischen dessen Schalensymphonie in Sydney und der letztlich auch gesellschaftspolitisch sehr traditionell-repräsentativ aufgebauten Oper von Kopenhagen zeigen. Andererseits gibt es da auch die Universitätsbauten in Kopenhagen, die weiten Atem und intimen Maßstab verbinden durch offene Hallen, zu denen die Arbeitskabinen wie Balkone auskragen. Langfristig werden es wohl solche offenen, im besten Sinn des Wortes liberalen Bauten Larsens sein, die Wirkung entfalten.