Gläserner Wellenschlag

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Im Rahmen der Kunst-Biennale wurde auf der venezianischen Insel San Giorgio eine gläserne Skulptur der amerikanischen Künstlerin Pae White eingeweiht. Auftraggeber ist »Le Stanze del Vetro«, der sich zum Ziel gesetzt hat, Kunst kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und darüber hinaus u. a. die Geschichte der venezianischen Glasverarbeitung zu erforschen. Das Kunstwerk besteht aus 3 100 Glasbausteinen, die eigens in einer örtlichen Glasmanufaktur hergestellt und zu einer 75 m langen, mäandernden Wand geschichtet wurden. Form und Farben sollen an den Fluss Gualala in der kalifornischen Heimat der Künstlerin erinnern – daher der Name: »Qwalala«, der aus der indianischen Pomo-Sprache stammt. Von Nahem entdeckt man in den Quadern wirbelnde Farbspuren, zu deren Umsetzung eine frührömische Glasbläsertechnik angewandt wurde.

Ingenieurtechnisch betreut wurde die Skulptur von schlaich bergermann partner. Hauptanforderung war eine möglichst schlanke Wand, da Transportkosten innerhalb Venedigs nach m³ und Gewicht berechnet werden. Daher wurde die bis 2,4 m hohe und nur 16 cm dicke gewundene Wand so berechnet, dass sie ein schalenartiges Tragverhalten bei horizontalen Lasten aufweist und sie einem 50-Jahres-Wind (Vm50) standhält. Da sie außerdem auf historischem Boden steht und wieder entfernt werden muss, durfte sie nicht tiefer als 20 cm einbinden und ruht nun auf einer Gründung aus Stahlplatten. Ein wichtiger Punkt für die Beherrschung der Spannungen in Quadern und Klebefugen war die Schockbeständigkeit der massiven Glasblöcke, sodass sie bei plötzlicher Abkühlung durch einen sommerlichen Gewitterregen nicht zerspringen. Die Fugen müssen dabei nicht nur auftretende Spannungen aufnehmen, sondern auch die recht großen Toleranzen der handgefertigten Steine ausgleichen.

Das Kunstwerk wird bis November 2018 auf San Giorgio stehen bleiben. ~dr

www.sbp.de; www.lestanzedelvetro.org