verhältnismäßig geringe Bundesmittel für soziokulturelle Projekte

Geld für gleichwertige Lebensverhältnisse

Das Bundesbauministerium verkündet stolz, dass es im Rahmen des Programms »Soziale Stadt« und im Schulterschluss mit der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, zwölf Modellvorhaben ihre Arbeit aufnehmen lässt. Dazu werden zunächst 6,1 Mio. Euro ausgegeben.
Hurra, möchte man rufen – bliebe einem dieser Ruf nicht im Halse stecken angesichts von – nur mal so zum Beispiel – 60 Mio. Euro, die man mal eben en passant für den Wiederaufbau der Berliner Bauakademie genehmigt hat.
Ja, man soll nun nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen, und es gibt durchaus Stimmen, die der Bauakademie ernsthaft eine republikweite Bedeutung zumessen – aber statt gerade einmal zwölf soziokulturellen Projekten auf die Füße zu helfen, könnte man rein rechnerisch auch leicht 120 unterstützen und damit dem vollmundigen Anspruch, »einen kulturellen Beitrag zur Verwirklichung gleichwertiger Lebensverhältnisse« zu leisten, sogar so etwas wie gerecht werden.
Offenbar schreien jene Stimmen, die sich öffentlichkeitswirksam nach Vorkriegsverhältnissen sehnen, immer noch lauter als jene, die sich in den Kiezen landauf landab mit den direkten Auswirkungen des Werteverfalls zu befassen haben.

Immerhin betont Frau Grütters: »Kunst und Kultur haben die Kraft, Selbstvergewisserung und Zusammenhalt zu stärken« – da möchte man nicht widersprechen – und tönt weiter, sie trete für eine Kulturpolitik ein, die für Freiheit und Vielfalt und zugleich für Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt stehe. Zeit wird’s.

Beim Modellvorhaben »UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier« werden Soziokulturelle Zentren und damit die Kulturarbeit in benachteiligten urbanen Gebieten gestärkt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden dazu ermutigt, das gesellschaftliche Leben vor Ort mitzugestalten.
Bis September 2022 werden Soziokulturelle Zentren in Berlin, Bremen, Hamburg, Hildesheim, Kassel, Magdeburg, Mannheim, Nürnberg, Oberhausen, Trier, Weimar und Wuppertal gefördert. Ein Fachbeirat hatte dazu aus einer zuvor von einer Jury priorisierten Shortlist zwölf Konzepte ausgewählt. (Download Liste »)
Der ressortübergreifenden Strategie »Soziale Stadt / Nachbarschaften stärken, Miteinander im Quartier« sollen zwischen 2017 und 2020 jährlich 10 Mio. Euro aus Bundesmitteln zufließen. Für 2019 sind weitere Maßnahmen im Modellprogramm »UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier« geplant.
Wo dicke Bretter gebohrt werden, soll man sich über kleine Schritte freuen …
~ge


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