17. Tile of Spain Awards

Filigranes Netz aus Keramik

Ein Rolltreppenabgang wird zu einem veritablen Ort: Mittels eines Dachs als Schutz gegen Regen und Sonne, das mit einem Netz aus eigens gefertigten Keramikelementen umhüllt ist, erhielt der Umsteigebahnhof an der Plaça de Espanya in Palma de Mallorca einen wirkungsvollen Eingang. Für dieses Projekt verlieh die Jury der Tile of Spain Awards dem Architekten Joan Miquel Seguí den Preis in der Kategorie Architektur.

Die Keramikelemente orientieren sich in Farbe und Materialität an den vorhandenen Gebäuden. Sie sind 12 x 12 x 24 cm groß und mit einem diagonalen Steg ausgestattet, wodurch unterschiedliche Muster möglich sind und zugleich Vögel am Sitzen gehindert werden. Nachts wird das filigrane Muster durch Beleuchtung von innen sichtbar. Der Entwurf markiere außerdem, so die Jury, die Rückkehr zur mediterranen Tradition durchbrochener Wände, die als Filter zwischen der Außenwelt und einem eher geschlossenen, nutzerfreundlichen Innern wirken.

Eine der zwei lobenden Erwähnungen in dieser Kategorie ging an Alberto Campo Baeza für die Sporthalle der Universität Francisco de Vitoria in Madrid (s. db 4/2018, S. 24).

Den Preis in der Kategorie Abschlussarbeit erhielt Manuel Bouzas Barcala für den Entwurf einer virtuellen Kirche. Anstoß war der Fund von 620 Steinen am Standort der Kirche El Buen Suceso an einem früheren Stück des Jakobswegs, die 1868 erbaut und 1975 niedergerissen wurde. Der Student der ETSA Madrid zeichnete die Kirche als leichte, von Kränen abgehängte Hülle aus Perlen nach und plante einen Boden aus polierten Fliesen in – von Palladios San Giorgio inspiriert – den Farben Schwarz, Weiß, Grün und Rot. Die Gebäudehülle besteht aus geometrisch verlegten, schimmernden Fliesen, deren Gitterstruktur gegen die Sonne schützt. Die Jury sprach ihre Bewunderung für die Experimentierfreudigkeit des jungen Architekten aus und hob die Klarheit der Ideen sowie die Nutzung der Fliesen als Gebäudehülle hervor.

www.tileofspainawards.com