Europan: Aschaffenburg, Ortsbild
Preisträger-Entwurf »Wohnterrassen am Schillereck« – Guobin Shen (CN) und Kilian Juraschitz (D)
Europäischer Nachwuchswettbewerb zur »Produktiven Stadt«

EUROPAN 14 entschieden

Im Mittelpunkt des diesjährigen Nachwuchswettbewerbs EUROPAN standen die Umwandlung monofunktionaler Stadtteile und die Neuentwicklung von gemischt genutzten Quartieren. Eine deutsch-polnische Jury beurteilte über 100 Projekte an fünf deutschen, einem polnischen und einem Schweizer Standort: Aschaffenburg, Hamburg, München-Taufkirchen, Neu-Ulm, Zwickau, Warschau und Kriens (CH). Vergeben wurden 5 Preise, 11 Ankäufe und 2 Anerkennungen.

Die Projektgebiete befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Umbauplanung – mal existierte als Grundlage bereits ein Masterplan, mal ging es für die jungen Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner vorrangig um eine Analyse. Entsprechend sind auch die Vorschläge unterschiedlich weit ausgereift. Recht weit ins Detail gehen beispielsweise die Siegerprojekte für Aschaffenburg und Hamburg, während für München-Taufkirchen – zugegebenermaßen ein schwieriges Gebiet und eine eher vage Aufgabenstellung – nur drei Anerkennungen ausgesprochen wurden.
Hier geht es zu den Kurz-Zusammenfassungen der preisgekrönten Projekte:
Aschaffenburg »
Hamburg »»
Neu-Ulm »
Zwickau »
Kriens (CH) »

Ankäufe:
München-Taufkirchen »
Warschau (PL) »

Die Preisverleihung und Ausstellung der Arbeiten findet am 2. Februar 2018 um 18 Uhr im DAZ statt:
Europan 14 LogoDAZ Deutsches Architekturzentrum
Taut-Saal
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, 2. Hof
(ehemals Köpenicker Straße 48/49)
10179 Berlin-Mitte

Dort werden die sieben prämierten Projekte ausführlich präsentiert.
Alle übrigen Beiträge werden in zusammengefasster Form vorgestellt

Europaweit beteiligten sich 1223 Teams aus Architekten und Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Ingenieuren sowie Künstlern und Designern unter 40 Jahren aus 20 europäischen Ländern.
Zur Bearbeitung waren 44 Projektgebiete in 13 Ländern ausgeschrieben.
Deutsche Seite: www.europan.de »
Europäische Seite: www.europan-europe.eu »

Aschaffenburg

Preisträger-Entwurf:
»Wohnterrassen am Schillereck« von den Architekten Guobin Shen (CN) und Kilian Juraschitz (D)
Aufgabe:
Neuordnung des Stadtteils »Damm«, nördlich der neuen Ringstraße gelegen. Ankerpunkt ist ein bestehendes 9-geschossiges Hochhaus am Ortseingang. Gewünscht war ein städtebauliches Gesamtkonzept mit einer maßvollen Mischung aus Wohnen und Gewerbe, der Anpassung der Außenanlagen an die Bedürfnisse der Bewohner und einem Konzept für eine verkehrsberuhigte Umgebung.

Auszug aus dem Jurybericht:
»Die Arbeit schafft mit einer Umrandung um das bestehende Hochhaus eine neue Flächenkategorie, die zu den Wohnungen gehört und auch das Arbeiten innerhalb der Wohnungen ermöglicht. Gleichzeitig werden im EG mit Zubauten die weiteren Nutzungsmöglichkeiten gestärkt. Der neu definierte Stadteingang wird visuell überhöht, was dem Ort sehr gut tut.
Die einzelnen baulichen Interventionen entlang der Schillerstraße ergänzen dies sinnfällig und beleben den derzeit vom Verkehr dominierten Bereich. Fußgängerbeziehungen werden möglich, die das Leben im öffentlichen Straßenraum verstärken.

Insgesamt stellt die Arbeit einen dem Ort angemessenen Umgang mit der Implementierung von produktiver Stadt dar, der in kleinen Schritten eine Eigenproduktivität fördert.«

Hamburg

Preisträger-Entwurf:
»In between the Lines / Zwischen den Zeilen« von Janna Hohn (D), Architektin und Urbanistin, und John Yates (GB), Architekt
Aufgabe:
Im Nachgang zur IBA wird durch die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße das Projektgebiet frei. In dieser zentralen Lage soll ein Quartier mit Wohnen, Gewerbe, Bildung und Freizeit entstehen. Es existiert bereits ein städtebaulich-freiraumplanerischer Masterplan, für den die Europan-Teilnehmer konkrete Nutzungsvisionen im Hinblick auf Produktion und deren architektonische Umsetzung entwickeln sollen.

Auszug aus dem Jurybericht:
»Insgesamt bietet der Entwurf einen sympathischen, in seinem Maßstab den Örtlichkeiten angepassten Rahmen für ein lebendiges Quartier mit einem vielfältigen Schatz von Räumen für vor Ort produzierte Produkte. Er interpretiert den Rahmenplan, indem er die Blöcke in drei unterschiedlichen Typologien definiert. Mit der nördlich gelegenen Zeilenstruktur für ein unmittelbares Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten wird ein interessantes bauliches Gefüge, von vorspringenden Baukörpern am Kanal, kleinen Wohntürmen zur inneren Straße bis hin zu verbindenden Riegeln, aufgezeigt. Sowohl die Kanalseite als auch die innere Straßenseite bekommen ein Gesicht. Im Inneren entwickeln sich geschützte Arbeits- und Wohnhöfe. Dieser Zeilentypologie wurde von der Jury hohe räumliche Qualität und Realisierungschancen zugesprochen.«

Neu-Ulm

Preisträger-Entwurf:
»The productive Heart of New Ulm« von Leonardo Zuccaro Marchi (I), Architekt und Urbanist, Piero Medici (I), Architekt, Alice Covatta (I), Architektin und Annalisa Romani (I), Landschaftsarchitektin, und 5 Mitarbeiter
Aufgabe:
Ein ehemaliges Wohnquartier für Angehörige der US-Armee im sich dynamisch entwickelnden Neu-Ulmer Stadtteil Vorfeld soll nachverdichtet und mit einer Mischung aus innenstadtnahem Wohnen, Kultur, siedlungsbezogenem Arbeiten, Dienstleistungen und Naherholung neu geordnet werden. Schwerpunkt sind die Gebäude und Flächen einer ehemaligen Grund- und Fachhochschule, die als Zentrum das Areal mit den angrenzenden Stadtteilen vernetzen soll.

Auszug aus dem Jurybericht:
»Die Jury sieht die Stärke des Entwurfs in der baulichen Ausbildung eines präsenten Quartiersmittelpunkts und eines gerichteten Grünzugs mit sinnvollen Anbindungen. Die kraftvollen Architekturvorschläge ermöglichen die Komprimierung der neuen Nutzungen im Osten und Westen der bisher schon bebauten Stelle am Grünzug, der durch die angelagerten produktiven und sozialen Bereiche eine neue Nutzungsdichte erhält. Die kräftigen Setzungen fordern zum Diskurs mit der Stadt und den Bürgern heraus, der von den Verfassern ausdrücklich als Teil des Entwicklungsprozesses gesehen wird.
Neben Räumen für Startups und für Bildung stehen soziales Miteinander und die Vermarktung der im Quartier erzeugten landwirtschaftlichen Produkte sowie lokale Energieerzeugung. Dieser störungsarme Nutzungsmix ermöglicht die horizontale Schichtung von Produktion und Wohnen.«

Zwickau

Preisträger-Entwurf:
»Productive Update« von Stephan Schwarz (A), Ingrid Sabatier (F), Ferdinand Schmelzer (D) und Agnès Klöden-Billemont (F), Architekten und Urbanisten, sowie Lena Flamm (DE), Landschaftsarchitektin, und 22 Mitarbeiter
Aufgabe:
Das neue Freizeitareal »Muldeparadies« und die Altstadt von Zwickau sind durch einen Komplex fünf- bis elfgeschossiger Plattenbauten gegenseitig nicht wahrnehmbar. Durch neue Wegebeziehungen, qualitätvolle öffentliche Räume und die wohnumfeldverträgliche Etablierung von Handwerk, Kleingewerbe, Dienstleistung und Kultur soll das Quartier transformiert und die Innenstadt zum Fluss geöffnet werden.
Auszug aus dem Jurybericht:
»Die Verfasser schlagen drei Transformationsstufen im Zeitraum 2030 bis 2050 vor. Durch Teilrückbau der Wohnhochhäuser gelingt es, neue, städtebaulich maßstäblich verträglichere Strukturen zu entwickeln, die sich an der angrenzenden historischen Altstadthälfte gut orientieren. Die historische Altstadt mit dem stadtbildprägenden Dom und der Katharinenkirche wird besser sichtbar.
Die Neubildung der Quartiere schafft neue Wegebeziehungen, wodurch die Zwickauer Mulde mehr Teil des städtischen Lebens wird. Auch für den Flussraum werden nachvollziehbare Entwicklungsschritte aufgezeigt.
Das Thema »Produktivität« beschränkt sich im Wesentlichen auf eine »urban farm« anstelle des jetzigen Parkhauses, dem Anlegen von Grünflächen und Dachbegrünung zur lokalen Lebensmittelproduktion sowie der Nutzung der Sonnenenergie. Die Idee einer autofreien Zone mit zwei E-Mobilitätsschwerpunkten dient der Stärkung des Gedankens der Klima- und Ressourcenschonung.«

Kriens (CH)

Preisträger-Entwurf:
»Die Fabrik« von Konrad Scheffer und Sarah Haubner, Architekten (beide D)
Aufgabe:
Nachverdichtung und Aufwertung des ehemals industriell genutzten Andritz-Areals

Auszug aus dem Jurybericht:
»Halle C und Halle 7 werden aus dem Bestand übernommen, die anderen Hallen sind neu. Halle C in O/W-Querverbindung als verglaste Passerelle übernimmt die Rolle des zentralen Verteilers. Die verschiedenen Gebäudetypen, mit abwechselnden Tiefen und Höhen, entlang des wegweisenden Korridors aufgereiht, bieten zahlreiche Möglichkeiten des Bespielens. Außenräume und gemeinschaftlich genutzte produktive Hallen wechseln sich ab, dazwischen liegen Ateliers, verwoben mit Wohnungen in den OGs. Damit lässt sich die kritische Masse aufbauen, die eine erfolgreiche vielseitige Nutzung benötigt.
Da der Entwurf auf dem Bestandsfußabdruck beruht, birgt er eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Phasierung, auf Beginn und Weiterbau. Die hohe Verdichtung – ohne der Umgebung gegenüber arrogant oder autistisch zu wirken – lässt kaum Außenräume ungenutzt, viele sogar lichtempfangend, was die Entwicklungsflexibilität erhöht.
Die unterschiedlichen Bauhöhen bringen eine lebendige Skyline hervor, die sich in die Umgebung einpasst. Die drei Hochhäuser markieren den Block in richtiger Setzung. Die Ikonizität des Sheds wird als starkes Leitbild prominent eingesetzt, als Zeichen der Arbeitswilligkeit und -freude. Trotz der hohen geschaffenen Dichte werden sensible Räume definiert, die mit ihrer Außenwirkung die Produktion inszenieren.«
Weitere Informationen (PDF-Download): www.europan-suisse.ch »

Warschau (PL)

Ankäufe:
»The Excity« der Architekten Lluís Juan Liñán, Andrea Gimeno Sánchez und Josep Vicent Lluch Diaz (alle E): (Urbaner) Abfall wird mithilfe einer Superstruktur in (urbane) Ressourcen verwandelt, beispielsweise als Baumaterial, Energiequelle oder »technischer Nährstoff«.
»House the Productivity« der Architekten Borys Kozlowski und Barbara Jakubowska (beide PL): Ein Fabrikareal zur Herstellung großmaßstäblicher vorgefertigter Elemente wird zum Wohngebiet, ergänzt durch kleine Werkstätten und Gewerbebetriebe. Eine lange Mall organisiert das Zentrum als eine Art Aktivitätsband zwischen U-Bahn und Siedlung.
»Warszawa Common Places« der Architektin María Nuñez (E): Alte Industriegebäude werden in ein neues Layout von Straßen und Blocks eingebettet. Dadurch entsteht ein dichtes urbanes Gewebe im menschlichen Maßstab, gut ausgestattet mit öffentlichen Räumen und gemischten Nutzungen. Nahrungsmittel-Produktion, Wassermanagement, energetische Optimierung, Müllvermeidung und nachhaltige Mobilität werden mitgedacht.