Es gibt viel zu tun – wacht auf

Wie werden wir im Alter leben? Wie bleiben wir möglichst lange selbstständig? Und wie ist der wachsende Pflegebedarf klug zu bewältigen? Auf diese und viele weitere Fragen versuchte der 8. AAL-Kongress in Frankfurt a. M. Antworten zu geben. Erstmals fand er zugleich mit der Messe »zukunft lebensräume« statt, die die momentane Konzentration auf digitale Angebote widerspiegelte. Fürs Bauen relevante Aussteller gab es nur wenige, etwa Caparol und Forbo, die ihr Farbkonzept »Lebenswelten« vorstellten, oder Hansa und poresta aus dem Badbereich. Die architektonische Diskussion konzentrierte sich neben Bauen für Demenzpatienten erfreulicherweise auch auf Grundsatzfragen nach der Aus- und Fortbildung für das »demografisch nachhaltige Bauen«, seltsamerweise aber auch darauf, ob jeder Architekt barrierefreies und altersgerechtes Bauen »beherrschen« sollte. Wie immer liegt in neuen Herausforderungen der Ursprung von Kreativität, und wie Krankenhausexperte Linus Hofbauer von sander.hofrichter architekten beim »Expertenforum Architektur – Lebensräume im Alter« sehr richtig sagte, ist etwa eine farbliche Gestaltung, wiewohl zur Orientierung insbesondere bei Demenzpatienten sehr wichtig, bei Weitem nicht alles: Auch das Arbeiten mit Maßstab, Beleuchtung und Tageslicht seien essenzielle Instrumente für haptische, sinnliche Erfahrungen und das Schaffen eines vertrauten Reviers. Sehr wichtig war allen Experten die Anerkennung insbesondere von Demenz als Spielart der Normalität.

»Normalität« war ein durchgängiges Stichwort, sei es im Hinblick auf automatisierte Assistenzsysteme, die Abweichungen von einer zuvor definierten Normalität z. B. über den Hausnotruf melden, oder im Gespräch mit dem Vorstand der Techniker Krankenkasse, wo denn die Trennlinie zwischen »Krankheit« und »altersbedingten Einschränkungen« verlaufe.
Das Podiumsgespräch zum Auftakt, an dem just die TK, aber auch der GdW von der Seite der Wohnungswirtschaft, das Kuratorium Deutsche Altershilfe sowie das Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz beteiligt waren, eröffnete weitere Perspektiven auf das Thema, insbesondere auf die Notwendigkeit, ein »altersgerechtes« Quartiersmanagement voranzutreiben und den finanziellen Handlungsspielraum der Kommunen entsprechend zu erweitern: »Geld ist genug da, es wird nur an den falschen Stellen eingesetzt« – das im Hinblick auf das Vorhaben »Altersgerecht Umbauen«, das nach Ablauf der Projektphase von der Bundesregierung außer über das gleichnamige KfW-Programm nicht weiter gefördert wird. Auch die Kommunen selbst müssen erst ein Bewusstsein und Strukturen für adäquate Handlungsweisen entwickeln und nicht, wie in Bamberg geschehen, den barrierefreien Umbau eines Gebäudes etwa durch Brandschutzauflagen regelrecht sabotieren. ~dr