Foto: Hartmut Möller

El Lissitzky in neuem Glanz

Bei dem just im Sprengel Museum Hannover eröffneten »Kabinett der Abstrakten« handelt es sich um die bereits dritte Version des 1926 von El Lissitzky gestalteten Raumkunstwerks. 1927 wurde es erstmalig im heutigen Landesmuseum eingerichtet. Obgleich der »Demonstrationsraum« für zeitgenössische Kunst mit Arbeiten von Pablo Picasso, Piet Mondrian, László Moholy-Nagy u. a. international große Beachtung fand, zerstörten ihn die Nazis 1937. Ein erster Wiederaufbau erfolgte 1968 im Landesmuseum, seit 1979 befindet er sich im Sprengel Museum. Nicht nur optisch war er zuletzt mit zerkratzten Vitrinen, bröckelndem Kitt, abgeplatzten Farben und bestoßenen Ecken ziemlich in die Jahre gekommen. Auch die für die Präsentation so wichtigen mobilen Mechanismen von Schiebe- und Drehelementen, die von Besuchern aktiviert werden konnten, klemmten. Als Partner hat nun der auf Messebau spezialisierte Claus Holtmann das Projekt finanziert und mit seiner Firma »Expomondo« realisiert. Unter wissenschaftlicher Begleitung der Kunsthochschule Kassel sowie der HBK Braunschweig komplett nachgebaut, funktioniert nun alles wieder reibungslos.
Ziel der Kuratorin Isabel Schulz war es, sich der früheren Raumstimmung anzunähern. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, schließlich existieren nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Originalinstallation, sodass man sich bei farbigen Elementen an Zeichnungen Lissitzkys bzw. den Graustufen der Fotos orientieren musste. Obendrein war der Meister schon beim Erstaufbau nicht zugegen, weshalb bereits dieser und alle folgenden Rekonstruktionen lediglich als Annäherungen zu verstehen sind. Ein großer Teil der Wände ist von einem Lamellenkleid überzogen, bei dem je eine Seite der Metallbänder schwarz, die andere weiß gehalten ist. Eine neu installierte, dem Originalentwurf folgende zweite Tür fordert zum Durchschreiten des Raums auf. Dabei wandelt sich die Farbe der Wand von Schwarz zu Weiß und bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der dort präsentierten Bilder. Dem Original nachempfundenes, schwarzes Linoleum ersetzt den grauen Teppichboden, an der Decke wurde ein Nesseltuch anstelle des Kunststoffgitters gespannt. Statt wie früher im OG befindet sich das Zimmer nun im fensterlosen UG; daher imitiert ein Leuchtkasten mit Stofflamellen das ursprünglich integrierte Fenster, der mittels elektronisch gesteuertem Licht den Tagesverlauf simuliert.
Ein Besuch im Lauf dieses Jahres ist unbedingt empfehlenswert: Eine kleine Sonderausstellung informiert mit Originalskizzen, Plänen, Fotos und Gemälden El Lissitzkys über die Rekonstruktion.
~Hartmut Möller