Einstürzende Tunnel in Prag

Nicht nur in Köln stürzen Verkehrstunnel ein, auch in Prag scheint die dort beauftragte Baufirma kräftig zu pfuschen. Bei den Arbeiten zum sogenannten Blanka-Tunnel, in dem der innere Autobahnring um die Innenstadt mit (noch) Weltkulturerbe-Status geführt werden soll, gab es im Juli zum dritten Mal seit Baubeginn 2007 einen Einsturz. Seitdem klafft im Stadtteil Letná, direkt neben dem Kulturministerium, ein riesiges Loch, die letzte durch die Bauarbeiten verbliebene Straßenbahnverbindung in den Stadtteil führt atemberaubend nahe daran vorbei. Das Bauunternehmen Metrostav bestreitet seine Schuld, nun hat die Stadt Ende August Strafanzeige gestellt. Möglicherweise ist das nur ein Ablenkungsmanöver: Die Prager werfen Oberbürgermeister Pavel Bém seit Längerem schlechtes Management und Steuerverschwendung für den Tunnelbau vor. Mitte Oktober finden in Prag Kommunalwahlen statt und es zeichnet sich ab, dass seine Partei, die seit zwanzig Jahren regierende ODS (Demokratische Bürgerpartei), abgewählt werden wird. Ob das hilft? Die Prager und ihre Besucher jedenfalls werden sich nun noch länger jede Woche einen neuen Weg an der Baustelle vorbei suchen müssen. ~dr