Ein Ufo aus Finnland/Südafrika

Ein elliptisches Wochenendhaus, das man überall ganz einfach aufbauen und in dem in einer kleineren Gruppe gut Zeit verbringen kann – das war die Ursprungsidee des »Futuro« genannten temporären Baus, 1968 entworfen vom finnischen Architekten Matti Suuronen (1933-2013). Es reflektierte sowohl die zeitgenössische Leidenschaft für mathematische Herangehensweisen als auch die Begeisterung für die Raumfahrt, die allgegenwärtige Ellipse im Verhältnis 1:2 findet sich in Fenstern und Türen, Griffen und anderen Öffnungen. Die Lizenz für die Herstellung wurde damals in rund 20 Länder verkauft. Dieses fast unveränderte Exemplar von 1972 fand sich in Südafrika. Der britische Künstler Craig Barnes kaufte es kurzentschlossen und handelte sich damit vom selben Tag an eine 18 Monate währende Phase mit intensiver Arbeit und Recherche, aber wenig Schlaf ein. In 16 Teile zerlegt, wurde die Kapsel nach England transportiert, wo sie mit der Hilfe von vielen Freunden in einer Scheune akribisch für die nächsten 40 Jahre fit gemacht wurde, und zwar von Hand – von der türkisfarbenen Kunststoffbeschichtung über das Stahltragwerk bis zur Nachbildung der Eingangstür, deren Vorlage als Abguss von einem ebenso enthusiastischen Besitzer von drei Futuros in Neuseeland geschickt wurde (im Austausch gegen einen Abguss der Armstützen übrigens). Auf einer eigenen Website beschreibt Barnes kurzweilig und detailliert den Werdegang des Projekts.

Nun sitzt das Futuro als temporäres Ausstellungsstück auf dem Dach des Hauses von »Matt’s Gallery«. Bis Anfang November bot es Platz für Vorträge, Performances und Diskussionen, nun finden noch bis März tagsüber viertelstündlich Führungen statt. Und wer ein Stückchen Land, aber keine Verwendung dafür hat, kann sich beim Besitzer darum bewerben, der Ikone nach der Ausstellung eine dauerhafte Heimat zu geben. ~dr