Die Gebäudehülle der Zukunft

~Robert Uhde

Anfang November fand in Bern (CH) die zehnte Auflage der Internationalen Konferenz zur Gebäudehülle der Zukunft statt. Im Rahmen der interdisziplinären Plattform für Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler und die Bauindustrie referierten 220 Rednerinnen und Redner aus 45 Nationen zwei Tage lang über den aktuellen Stand der Technik und über neue Möglichkeiten zur Senkung des Energiebedarfs im Gebäudebereich.
Bislang wurde das Fachforum regelmäßig in Brixen (I) durchgeführt, in diesem Jahr fand es erstmals in Bern statt. Das Kongressgelände in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Standort des altehrwürdigen Wankdorf-Stadions war dabei gewissermaßen Programm: Denn wo 1954 das »Wunder von Bern« stattfand, trifft der Blick heute auf die großflächige Photovoltaik-Anlage des 2005 an gleicher Stelle neu errichteten Stade de Suisse. Das lange Zeit größte Stadion-Solardach der Welt zeigt beispielhaft die Möglichkeiten neuer Technologien zur Senkung des CO2-Ausstoßes und zum Gelingen der Energiewende.
Eine große Rolle spielte das Thema Solarenergie auch im Forum. Ein Schwerpunkt war dabei der Einsatz von Gebäudeintegrierter Photovoltaik (BIPV): Noch im Außenbereich des Kongressgeländes stießen die rund 500 Teilnehmer des Forums auf einen mit unterschiedlichen BIPV-Elementen umgesetzten Demonstrationspavillon des 2012 von der EU bewilligten Verbundprojekts »Construct PV«. Mit dem Verbund wollen 12 Partner aus der Bau- und Solarbranche über einen Zeitraum von vier Jahren gemeinsam die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie weiter optimieren. Das im Verlauf der Konferenz von verschiedenen Rednern aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellte Projekt wird unter anderem durch Züblin in Stuttgart, das Amsterdamer Architekturbüro UN Studio sowie durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg getragen.
Neben dem Thema BIPV wurden auf dem Kongress auch zahlreiche neue Materialien oder Dämmprodukte wie Aerogel, Phasenwechselmaterial (PCM), Infraleichtbeton sowie Aufbau und Anwendungsbeispiele von begrünten Fassaden und Dächern vorgestellt. Weitere Schwerpunkte waren das Thema energieeffiziente Sanierung oder der Rückblick auf den US-Solarwettbewerb »Solar Decathlon 2015«. Um die Realisierung neuer Ideen voranzutreiben, standen außerdem neue Politik- und Geschäftsmodelle sowie Finanzierungskonzepte auf dem Programm.
Die nächste Internationale Konferenz zur Gebäudehülle der Zukunft wird am 10. und 11. Oktober 2016 im Berner Kursaal stattfinden.