»Der Eiermann gehört uns allen«

~Alfred Hottmann

Diese Aussage von Martin Hahn, Fachgebietsleiter beim baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege, fasst gut zusammen, worum es bei der Veranstaltung »Entwicklung denkmalgeschützter, gewerblich genutzter Großbauten« der Architektenkammer Stuttgart am 24. Februar ging. Der sichtlich alternde ehemalige IBM-Campus in Stuttgart-Vaihingen [10], erbaut von Egon Eiermann, steht unter Denkmalschutz, wurde aber seit 2009 nicht mehr genutzt (s. db 1-2/2013, S. 142). Letztes Jahr schließlich erwarb ihn ein Düsseldorfer Investor für rund 25 Mio. Euro. Damit geht es dem Campus ähnlich wie dem ehemaligen Quelle-Areal in Nürnberg, geplant von Ernst Neufert (s. db 3/2014, S. 3), oder der Tabakfabrik in Linz (A) von Peter Behrens. Beide stehen ebenfalls unter Denkmalschutz, waren von langjährigem Leerstand betroffen und wurden zuletzt von Investoren aufgekauft. Chris Müller, künstlerischer Direktor der Tabakfabrik, Daniel F. Ulrich, Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg, und Mathias Düsterdick, Geschäftsführer des Düsseldorfer Immobilienentwicklers, stellten bei der Veranstaltung den jeweils aktuellen Planungsstand und Nutzungsprofile der Anlagen für die Zukunft vor. Während bei den ersten beiden Denkmälern schon fortgeschrittene Planungen erfolgt sind, mit möglichen Umbauten zu Wohnungen, Büros oder Werkstätten, ist für den IBM-Campus mit rund 40 000 m² Nutzfläche noch alles offen. Bei der Podiumsdiskussion mussten sich die Referenten den Fragen von interessierten Bürgern und Denkmalenthusiasten stellen, wobei schnell klar wurde, dass Investoren nicht die alleinige Entscheidungsgewalt über Gebäude diesen Stellenwerts haben sollten, denn hier geht es um viel mehr als Profit und Rendite. Eine Bereitschaft zur Kooperation vonseiten Düsterdicks war erfreulicherweise zu erkennen. So ist ein Austausch mit der Egon Eiermann Gesellschaft sowie ein Architekturwettbewerb vorgesehen, vielleicht sogar eine Besichtigung am Tag des offenen Denkmals. Es bleibt nun zu hoffen, dass hier ein tatsächlicher Mehrwert für die Gesellschaft entsteht und kein Projekt, das die Belange der Stadt und der Bevölkerung ignoriert. Davon findet man in Stuttgart ja bekanntlich genug.