Ciao Banga

Was muss eine Ferienunterkunft an der sizilianischen Küste bieten? Wohl nicht mehr als 8,1 m² Wohnfläche, zwei Stockbetten, Ablageflächen, eine Küchenzeile und eine Badzelle, schließlich hält man sich ohnehin die meiste Zeit draußen auf. Das schlussfolgerte zumindest 1973 ein Campingplatzbetreiber, als er den ersten »Banga«-Kunststoffbungalow auf einer Messe entdeckte und 28 Stück erwarb. Trotz ihrer spartanischen Ausstattung wirken sie nicht streng. Kreisrunde Fenster geben dem »Gebäude« ein Gesicht, Radien mildern die Enge des Innenraums. Rund 20 Jahre boten die Wohnkapseln Urlaubern eine Unterkunft, weitere 20 Jahre standen sie leer. Bis Pamela Voigt, eine auf Kunststoffbauten spezialisierte Architektin, auf die Bangas aufmerksam wurde. Zwar sind die Metallelemente vom Meersalz angefressen und die Kunststoffhüllen im Lauf der Jahre stark verschmutzt, doch »Bungalows mit einer kompletten Innenausstattung aus GFK sind selten.« Da die fest vernieteten Ensembles bis hin zu Badspiegeln, Armaturen und Zahnbechern vollständig sind, möchte sich Voigt nun mit der Chemnitzer Firma Fiber Tech an die fachgerechte Instandsetzung machen. Zuvor sucht sie potenzielle Käufer, denn Kauf und Transport der Bugalows sind erst in größerer Stückzahl möglich. Den ersten Interessenten gibt es schon: die Pinakothek der Moderne. Voigt hofft auf weitere Käufer: »Viel zu viele Kunststoffbauten sind der Gesellschaft schon verloren gegangen, weil sie von den Besitzern entsorgt wurden.« Interessenten können mehr zu den Bangas auf ihrer Website finden – oder zum Probeliegen nach Rom reisen. Nahe der Hauptstadt gibt es bis heute einen Campingplatz mit gut erhaltenen Wohnkapseln.

www.kunststoffbauten.de ~Johanna Wittmaack