Poetisches Bauwerk aus UHF-Beton

Brücke in Landschaft

Über den Fluss, vom Dorf zum Friedhof, von den Lebenden zu den Toten führt eine extrem reduzierte Brücke, die sich in der verwilderten Landschaft mal wie ein Sarg, mal wie ein zurückgelassenes Stahlbauteil ausmacht. Allein, sie besteht aus Beton und ist Teil einer höchst diszipliniert-poetischen Komposition. Entworfen wurde sie von Ondřej Cisler vom Büro Aoc Architects und Petr Tej, Architekt und Brückeningenieur vom Klokner-Institut der CTU Prag, für ein häufig überschwemmtes Gelände am Fluss Dřetovice beim Dorf Vrapice nicht weit von Prag. Schwerpunkt des universitären Instituts sind u. a. Forschungen und Entwicklungen zu ultrahochfestem Beton, für die die Brücke mit 10 m Spannweite und 1,5 m Breite ein Vor-Ort-Experiment darstellt. Der faserbewehrte C110/130- Beton ist frostbeständig, wurde schwarz pigmentiert, mit Patina und Details wie etwa den handgestrahlten Transportlöchern versehen. Um der leichten Konstruktion die nötige Stabilität zu verleihen, ist sie zweifach gekrümmt: einmal in der Horizontalen und einmal mit einem Stich von 40 cm Höhe.

Die Entwerfer sprechen von einer »höheren Bedeutung« der Brücke: Es ist ein magisches Portal, das Leben und Tod verbindet. Jenseits des Flusses wartet auf die Querenden »Der Wächter«, eine Skulptur von Jan Hendrych. Ihre Gestaltung beruht auf der Art und Weise, wie barocke Skulpturen in Beziehung zur Landschaft und insbesondere zu Brücken gesetzt wurden. Als integraler Teil der Komposition besteht sie aus ähnlichem Material wie die Brücke, die ihrerseits quasi den Sockel für die Skulptur darstellt.

Das Projekt erhielt 2019 den tschechischen Staatspreis für Architektur, Kategorie Landschaftsarchitektur, und war für den Tschechischen Architekturpreis nominiert. ~dr

www.aoc.archi, www.klok.cvut.cz