Bewegung und Stillstand

London ist eine Stadt der Wasserwege. Diese sind nicht nur dekorativ, sondern werden auch fleißig befahren. Brücken müssen also beweglich gestaltet werden, um den Schiffsverkehr passieren zu lassen. Insbesondere leichte Fußgängerbrücken laden natürlich dazu ein, ein bisschen mehr als nur Funktionalität anzubieten. Nachdem Thomas Heatherwick 2004 mit der »Rolling Bridge« eine sich zusammenrollende Brücke entwickelt hat, wurde nun nicht weit davon entfernt eine weitere fertiggestellt, die sich weniger auf Spielereien der Mechanik konzentriert, sondern eine richtig große Geste macht. Entworfen wurde sie von Knight Architects für den Merchant Square am Paddington Basin, ein Arm des Grand Union Canal, und erspart Fußgängern den Weg um das Bassin herum. Einmal in der Woche öffnet sie sich und zeigt dann ein bemerkenswertes Schauspiel: Die Verkehrsfläche ist der Länge nach in fünf Streifen geteilt, die sich unterschiedlich weit wie ein Fächer aufklappen. Auf der anderen Seite des Drehpunkts sorgen Gegengewichte mit wenig Energieaufwand für Bewegung und Arretierung. Wenn die Brücke geschlossen ist, ragen sie aus dem Boden und bilden mit ihren gestaffelten, gerundeten Formen nahezu ein Stück Kunst im öffentlichen Raum. Ursprünglich sollte die Brücke ganz platt die beiden Bassinkanten auf kürzestem Weg verbinden, doch der nun realisierte schräge Verlauf bindet die Wege viel eleganter an. Er war in der Spannweite nicht aufwendiger und schafft außerdem Raum für die Inszenierung der Gegengewichts-Skulptur, die während der Woche beiläufig auf den großen Moment am Freitagmittag verweist. ~dr