Achtung, Schimmel!

Zum fünften Mal fand Ende März das Würzburger Schimmelpilz-Forum statt. Ins Leben gerufen, um betroffene Fachdisziplinen wie Architekten, Handwerker und Immobilienverwalter, Gutachter und Juristen, Biologen und Chemiker zusammenzubringen, beschäftigte sich die Tagung in diesem Jahr an anderthalb Tagen mit einer bemerkenswerten Bandbreite an Themen. Diese reichten unter dem Motto »Risiken Kosten Vorsorge« von gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen über die Frage der Haftung von Gutachtern für ihre Aussagen und aktuelle Entwicklungen in der Untersuchungsmethodik bis zu konkreten Schadensfällen und geeigneten Baumaterialien, um Schimmelpilzbefall zu verhindern.

Doch um Materialien ging es nicht allein, sondern v. a. um das wichtige Zusammenspiel aller Beteiligten und die Frage, was zu tun ist. Soll man etwa ab sofort dem Hausmeister eine Flasche Benzin in den Utensilienkoffer stecken, damit er bei den Mietern schnell mal aufgetretenen Schimmel wegdesinfiziert? Das kundige Publikum unisono: Nein, nicht fachgerecht! Desinfektion reicht nicht aus – Schimmelpilze und -sporen sind nach wie vor vorhanden und damit die Gefahr für Bewohner, sich eine Allergie zuzuziehen. Eine db-Leserin und Gewinnerin einer Freikarte äußerte sich denn auch »sehr begeistert über den Informationsgehalt und die niveauvolle Durchführung«.
Trotz vieler Details, die einen verzweifeln lassen könnten – angefangen bei der Schlampigkeit ausführender Firmen und nicht endend beim Wegschauen entscheidender Stellen (Gesundheitsamt, Kommune usw.) unter Kostendruck –, half das Forum auch dabei, das Thema Schimmelpilz jenseits von Hysterie und Abwinken einzuordnen. Die Gründe und Bedingungen für einen Befall sind schließlich bekannt und damit auch zu bewältigen. Allerdings ist es nötig, (wieder) ein Bewusstsein zu schaffen, wie komplex diese Gründe sein können und wie differenziert die Gegen- und Präventionsmaßnahmen ausfallen müssen. Eine Idee in diesem Rahmen war ein Schimmelpilzfachmann als Baubegleiter – wogegen anwesende Architekten heftig protestierten.
Dass bei aller Unappetitlichkeit des Themas auch eine humorvolle Annäherung möglich ist, zeigte Gastgeber Gerhard Führer vom peridomus Institut beim Abendprogramm: Bewacht von einem Apfelschimmel (!), wurden Häppchen mit den Gewächsen Penicillium camembertii und Penicillium roquefortii sowie später vergorener Weißkohl, vulgo Sauerkraut, Wein und Bier gereicht. ~dr